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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.10.2020

Dokumentarfilm "Black Jesus"Ein paar Geflüchtete und eine Heiligenfigur

Luca Lucchesi im Gespräch mit Nicole Dittmer

Drei junge Männer aus Ghana. Sie tragen rote Halstücher. (RoadMovies  / Alessandro Tedesco)
Die jungen Männer aus Ghana waren anfangs erstaunt: Dass die Europäer eine Schwarze Heiligenfigur verehren, konnten sie kaum glauben. (RoadMovies / Alessandro Tedesco)

Die Flüchtlinge aus Ghana fragten erstaunt: Jesus ist schwarz in Europa? Vordergründig geht es in Luca Lucchesis Doku um ein sizilianisches Dorf und die Verehrung einer schwarzen Heiligenfigur. Sie zeigt aber auch, wie der Ort mit dem Fremden umgeht.

Der Kirchenbesuch in seinem sizilianischen Heimatdorf war ein Schlüsselerlebnis: Dort traf der italienische Filmemacher Luca Lucchesi vier junge Männer aus Ghana, Flüchtlinge, die in Siculiana untergekommen waren. Sie bestaunten die Statue des schwarzen Jesus, der in dem Ort eine besondere Bedeutung hat und in einer jährlichen Prozession durchs Dorf getragen wird.

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Die jungen Männer hätten ihn angesprochen, berichtet Luca Lucchesi, und völlig fassungslos gefragt. "Ist das wahr: Bei euch in Europa ist Jesus schwarz?". So entstand die Idee der jungen Flüchtlinge, einmal selbst die Figur tragen zu dürfen – als äußeres Zeichen dafür, dass sie in der Gemeinschaft und in Italien angekommen seien.

Demonstrationen gegen Geflüchtete

Lucchesi hat einen Dokumentarfilm darüber gemacht. "Black Jesus" ist jetzt beim Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig zu sehen. Er zeigt die Statue, die Verehrung für sie, der Regisseur zeigt die Menschen Siculianas, die mit diesem Brauch leben.

Eine schwarze Jesusstatue häng an einer Mauer. (RoadMovies / Paolo Indelicato)Der schwarze Jesus wird in Siculiana verehrt. (RoadMovies / Paolo Indelicato)

Auf der anderen Seite stehen die Flüchtlinge – das Misstrauen vieler Dorfbewohner ihnen gegenüber ist groß, inklusive Demonstrationen gegen die Unterbringung im Ort. "Black Jesus" ist also auch ein Symbol für die Konflikte einer gespaltenen Gesellschaft.  

Am Ende dürfen die Männer aus Ghana die Heiligenfigur tragen. Die Zukunft der Geflüchteten ist dennoch ungewiss, berichtet Lucchesi, denn kurze Zeit später wurde deren Unterkunft geschlossen.

(mkn)

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