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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.07.2019

Dokumentar-Filmemacherin zum NSU-Prozess"Es war ein frustrierender Abschluss"

Aysun Bademsoy im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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ARCHIV - 01.05.2018, Bayern, München: Nach dem Urteil im NSU-Prozess demonstrieren am 11. Juli 2018 in München Teilnehmer mit Porträts der NSU-Opfer.  (picture alliance/Lino Mirgeler/dpa)
Demonstration nach Prozessende mit Porträts der NSU-Opfer am 11. Juli 2018: Für die Angehörigen sei das Urteil enttäuschend gewesen, sagt Aysun Bademsoy. (picture alliance/Lino Mirgeler/dpa)

Vor einem Jahr ging der NSU-Prozess mit der Verurteilung von Beate Zschäpe zu Ende. Aysun Bademsoy hat einen Dokumentarfilm über das Verfahren gedreht. Dass die anderen Angeklagten nur geringe Strafen erhielten, kann sie noch immer nicht verstehen.

Fünf Personen waren angeklagt, an den Taten der rechtsextremen Terrorgruppe NSU beteiligt gewesen zu sein. Vor einem Jahr fiel das Urteil: Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, fünf weitere Angeklagte wegen Beihilfe zu Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und zehn Jahren verurteilt.

"Es war ein wahnsinnig frustrierender Abschluss des ganzen Gerichtsverfahrens von füneinhalb Jahren", sagt die Filmemacherin Aysun Bademsoy. Sie hat einen Dokumentarfilm über den NSU-Komplex gedreht und das Gerichtsverfahren intensiv begleitet. "Spuren", so der Titel des Kinofilms.

Bekennende Neonazis kommen davon

Besonders für die Familien der Opfer, die zu jedem Prozesstag extra angereist sind, sei das Urteil enttäuschend gewesen, so Bademsoy: "Und das war das schlimmste, was denen passieren konnte, dass ein Urteil in dieser Art und Weise gefällt wird." Beate Zschäpe sei die einzige gewesen, der das Gericht nachweisen konnte, an den Taten direkt beteiligt gewesen zu sein, andere Angeklagte seien, obwohl bekennende Neonazis, mit geringen Strafen davongekommen.

Die Filmemacherin Aysun Bademsoy spricht in ein Mikrofon (imago/Seeliger)Die Filmemacherin Aysun Bademsoy fühlte sich nach den NSU-Morden nicht mehr sicher (imago/Seeliger)

Zu dem Thema für ihren Dokumentarfilm kam Bademsoy in einem langen Prozess. Als die Morde passierten, sei sie irritiert gewesen, erzählt die Filmemacherin. Es wurde über "Döner-Morde" berichtet, die Täter wurden im Umfeld der Opfer gesucht. Aber es sei klar gewesen, dass da was nicht stimmen könne. Und nachdem der NSU aufgeflogen war, kam der Schock: "Die Heimat war nicht mehr sicher", so Bademsoy.

Skrupellosigkeit und kein Ende

Die Morde des NSU waren nicht die letzten Taten rechtsextremen Terrors. Sie sei überrascht gewesen, dass die Skrupellosigkeit noch weiter gehe, sagt Bademsoy: "Es ist ja nicht nur der Mord an Walter Lübcke, was einen irritiert hat im letzten Jahr, sondern auch die Bedrohung der Rechtsanwältin eines der NSU-Opfer." Die Daten der Rechtsanwältin wurden von einem Polizisten an die rechtsextreme Szene weitergegeben.

(beb)

Die Enttäuschungen der Opfer und Hinterbliebenen nach dem NSU-Urteil - hören Sie zum Thema auch Ina Krauß' Bericht aus unserer Sendung "Studio 9":
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