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Kompressor | Beitrag vom 14.04.2021

Doku "Schwarze Adler"Der tägliche Rassismus im Fußball

Von Matthias Dell

Ex-Fußballnationalspieler Patrick Owomoyela in der Doku "Schwarze Adler" (Broadview Pictures)
Patrick Owomoyela spielte für Bremen, Dortmund und für die deutsche Nationalmannschaft. Hier in der Doku "Schwarze Adler". (Broadview Pictures)

Ob Patrick Owomoyela, Gerald Asamoah oder Steffi Jones – sie und andere Afrodeutsche haben in der Bundesliga Fußball gespielt. Die Doku "Schwarze Adler" zeigt, wie sie auf und abseits des Rasens mit Rassismus konfrontiert waren.

"Für Deutschland, für Vaterland, für Kameradschaft, sind alles so Attitüden, sagen die Rechten auch, glaub ich", erklärt Jimmy Hartwig in dem Dokumentarfilm "Schwarze Adler", "das ist Stolz, Stolz für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu dürfen."

Hartwig, der seine große Zeit in den 1980er-Jahren mit dem HSV hatte als Meister und Weltpokalgewinner, brachte es aber nur auf zwei Einsätze im Nationalteam. Torsten Körners Film guckt auf Spieler wie ihn, auf Afrodeutsche im deutschen Fußball, die lange Randfiguren waren.

Beim singen der Nationalhymne: Deutschland, v.li.: Erich Beer, Erwin Kostedde und Berti Vogts, 1975. (Broadview Pictures / imago / Sven Simon)Die Nationalelf 1975 beim Spiel gegen Griechenland mit Erwin Kostedde (M) zwischen Berti Vogts (r.) und Erich Beer (l.) (Broadview Pictures / imago / Sven Simon)
Erwin Kostedde, geboren 1946, ist der älteste und Erste in dieser Geschichte, die erstmals die Vielfalt der schwarzen Stimmen in den Blick nimmt, die eine Geschichte der (west)deutschen Nachkriegszeit ist, die in "Schwarze Adler" essayistisch geweitet wird durch Archivmaterial. Aus Werbungen, Sportsendungen oder dem Hit des Schlagersängers Vico Torriani, der sich die Schönheit der Frauen aus Kingston Town über Hautfarbe erklärte.

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Und der gespielt wurde, als Beverly Ranger, die in Jamaika geboren über London nach Bonn gekommen und Torschützin des Monats geworden war, ausgezeichnet wurde: Eine Szene, die gut illustriert, wie Kultur an der Reproduktion von Rassismen mitwirkt, weil die Redaktion bei Ranger zwanghaft diese Verbindung herstellen muss, um die Differenz zu betonen durch die Exotisierung im vermeintlich bewundernden Lied.

In unserer Sendung "Studio 9" sagt "Schwarzer Adler"-Regisseur Torsten Körner, er sei "nachhaltig dankbar", dass die Protagonistinnen und Protagonisten dem Film ihre Geschichten anvertraut hätten. Schockiert habe ihn, dass Spielerinnen und Spieler über Generationen den Wunsch gehabt hätten, sich in Deutschland als schwarze Spieler weiß zu waschen. Das stelle auch Fragen an den Zuschauer.

Ranger beschreibt im Film, wie sie von der Moderation Ernst Hubertys überrollt wurde und erst später begriff, wie unhöflich diese Begrüßung war.

Eine unerhörte Geschichte

Dass "Schwarze Adler" eine Erfolgsgeschichte erzählt, ist nicht leicht zu sagen. Die jungen Spieler sind selbstbewusster, haben bessere Begriffe zur Beschreibung von Abwertung, aber das Problem des Rassismus ist nicht gelöst. Wie das Beispiel Jordan Torunarighas zeigt, der 2020 in der Arena auf Schalke Schmähungen ausgesetzt ist, in der die Fans Gerald Asamoah geliebt haben.

Auch wenn der Film in seinen formalen Ideen nicht immer stilsicher wirkt, zu viel Musik einsetzt und überflüssige Kapitelüberschriften typografisch aufwendig performt – erzählt wird eine unerhörte Geschichte, die gerade im Archivmaterial auch ein Museum des alltäglichen weißen deutschen Rassismus ist.

Die Doku "Schwarze Adler" ist ab dem 15. April bei amazon prime und ab dem 18. Juni im ZDF zu sehen. Deutschlandfunk Nova sprach außerdem ausführlich mit dem Fußballer Patrick Owomoyela über seine Erfahrungen.

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