Interview 05.12.2019

Doku "Generation Helikopter" im ZDFWenn Fürsorge zum Problem wird Collien Ulmen-Fernandes im Gespräch mit Dieter Kassel

Beitrag hören Eine Mutter kämmt ihrer Tochter die langen Haare. (Eyeem/ Jonathan Thomasson)Helikopter-Eltern meinen es gut, lassen ihren Kindern aber zu wenig Freiräume. (Eyeem/ Jonathan Thomasson)

Helikopter-Eltern werden Väter und Mütter genannt, die ihre Kinder überbehüten. Die Moderatorin und Autorin Collien Ulmen-Fernandes beleuchtet dieses Phänomen in ihrer ZDF-Dokumentation und zeigt, ab wann es der Erziehung von Kindern schadet.

Weil es einen Trend zur Ein-Kind-Familie gebe, nehme auch das Phänomen der "Helikopter-Eltern" zu, sagt die Moderatorin und Autorin Collien Ulmen-Fernandes. Sie hat den überfürsorglichen Eltern, die ständig in der Nähe ihres Kindes bleiben, um es zu schützen und zu überwachen, nun eine zweiteilige  ZDF-Dokumentation gewidmet.  

Die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes  (Henning Kaiser/dpa/picture-alliance)Die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes hat eine zweiteilige Dokumentation über die Generation Helikopter-Eltern gedreht. (Henning Kaiser/dpa/picture-alliance)

"Ein bisschen Helikopter steckt in uns allen", sagt Ulmen-Fernandes. Ihre Dokumentaion beschäftigt sich mit der Frage, ab wann es für Kinder schädlich werde, beschützt und umsorgt zu werden. 

Wer ein zweites oder drittes Kind habe, sei wesentlich entspannter, weil man bestimmte Fehler bereits gemacht habe und Gefahren besser einschätzen könne, meint die Autorin. "Dadurch, dass es mittlerweile gar nicht mehr zum zweiten oder dritten Kind kommt, ist natürlich das Helikopter-Eltern-Dasein gerade so ein verstärktes Phänomen." Sie habe Verständnis dafür, dass Eltern ihr Kind beschützen wollten, aber es sei wichtig, damit selbstreflektiert umzugehen. Manchmal sei ein Fingerzeig von außen hilfreich, um zu merken, dass man es vielleicht übertreibe. "Genau dafür machen wir die Dokumentation."

Das Kind als Projekt

Das Kind müsse oft etwas darstellen, dass sich die Eltern für sich selbst gewünscht hätten, sagte Ulmen-Fernandes, die selbst Mutter ist und mit dem Schauspieler Christian Ulmen verheiratet. "Das Kind wird tatsächlich oft als Projekt betrachtet." Auch dieses Problem werde in der Dokumentation behandelt, denn viele Kinder sollten nach dem Wunsch der Eltern ein Genie in Musik sein oder im Sport Höchstleistungen erbringen.

Die Bedeutung der Langeweile

Einige Kinder hätten dadurch einen enormen Freizeitstress, obwohl Experten darauf hinwiesen, wie wichtig der Umgang mit Langeweile für Mädchen und Jungen sei. "Viele Kinder haben das Langweilen gar nicht richtig gelernt, weil sie völlig überfrachtet sind mit Terminen", sagt Ulmen-Fernandes. Ihr Film zeige ein spannendes Experiment, bei dem gezeigt werde, wie wichtig Langeweile sei, um kreative Prozesse anzustoßen. In vielen Kitas werde deshalb inzwischen mit spielzeugfreier Zeit experimentiert.

In der Kindererziehung sei Humor generell wichtig, sagte Ulmen-Fernandes. Eltern sollten sich nicht so ernst nehmen. "Ich finde es total befreiend, wenn man mal über sich selbst lacht und wenn die Kinder merken, dass die Eltern fehlbar sind."

Die beiden Folgen der Dokumentation laufen am 5. Dezember ab 20.15 Uhr auf ZDF Neo und sind in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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