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Donnerstag, 28.05.2020
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.05.2020

Dlf-Kultur-Spontankonzert mit Mitgliedern des DSO BerlinDer Abend der Klarinette

Moderation: Volker Michael

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Teilansicht auf die Klappen der Klarinette vor einem Notenpult. (detuschlandradio / Cornelia de Reese)
Die Klarinette von Bernhard Nuss in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem. (detuschlandradio / Cornelia de Reese)

Mitglieder des DSO Berlin Berlin geben ihr zweites Spontankonzert an diesem Abend im Musikstudio Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem. Auf dem Programm Bläsermusiken aus ganz Europa, Mozarts Klarinettenquintett und eine Suite von Szymon Laks.

Sie ist gut dreihundert Jahre alt und dominiert den heutigen Abend - die Klarinette. Vom Divertimento des britischen Komponisten Malcolm Arnold bis zum Klarinettenquintett Wolfgang Amadeus Mozarts am Schluss des Programms spielt das Blasinstrument eine wichtige Rolle.

Drei Musiker stehen in der Entfernung und spielen gemeinsam in einer leeren Kirche. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Frauke Ross (Flöte), Bernhard Nusser (Klarinette) und Martin Kögel (Oboe) bilden in diesem Fall ein Trio. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Die Musikerinnen und Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin machen sich ihrem zweiten Ensemblekonzert im Deutschlandfunk Kultur auf die Suche nach dem Besonderen und dem besonders Schönen.

Polyphonia Ensemble Berlin posiert mit Intrumenten vor einer weißen Wand. (DSO Berlin)Musiker des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin haben sich zum Polyphonia Ensemble zusammengeschlossen. (DSO Berlin)

Sie streifen dabei fast alle großen Musiknationen Europas vom westlichen England und Frankreich über das zentrale Polen und Österreich bis nach Russland. 

Ein Mikrophonständer in einem Kirchenraum, in dessen Hintergrund eine Orgel sichtbar ist. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Unsere Mikrophone stehen für die Konzertübertragung bereit. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Im Zentrum des Programms steht ein Werk ohne Mitwirkung der Klarinette - die Suite aus einer französischen Komödie, die auf einem jiddischen Theaterstück mit dem Titel "Dem Schmids Techter" basiert. Komponiert hat sie Szymon Laks

(Eda Records)Der Komponist Szymon Laks (Eda Records)

Er gehört zu den wenigen Menschen, die das Konzentrationslager Auschwitz überlebt haben. Er war auch einer der ersten, der seine Erfahrungen aufgeschrieben hat, 1948 bereits in seinem Buch "Musik aus einer anderen Welt".

Musik war keine Lebensstütze

Sein Fazit: Nein, die Musik, die er als Mitglied und zeitweise Leiter des Lagerorchesters von Birkenau hat schreiben, einstudieren, dirigieren und selbst spielen müssen, diese Musik habe ihm nicht das Überleben gesichert, höchstens in materieller, nicht aber in ideeller oder psychischer Hinsicht.

Gespräch mit Cellistin Adele Bitter zum Komponisten:

Darin unterscheidet sich sein Resümee deutlich von dem anderer in der Shoa inhaftierter und der Ermordung entronnener Künstlerinnen und Künstler. Eher habe das Musikmachen auf Geheiß der KZ-Aufseher das Genozid-System stabilisiert – so die bittere Bilanz von Szymon Laks.

Neuansatz nach 1945

Um so erstaunlicher ist, wie bunt, manchmal leicht verfasst, dann wieder sarkastisch, bisweilen fröhlich die Musik klingt, die Szymon Laks nach 1945 komponiert hat. Immer wieder kehrte er zu jüdischen und polnischen Themen zurück. Immer sind diese Werke auch ein Nachklang seiner Erfahrungen im KZ.

Der Pianist am Klavier sitzend. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Holger Groschopp hat die Schauspielmusik für Klavier und Violoncello eingerichtet. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Sie sind ein wehmütiger Nachruf auf die ermordete Kultur der Juden Osteuropas, deren Sprache der ihrer deutschen Mörder so nahe stand. 1964 schrieb er eine Schauspielmusik auf das jiddische Drama "Dem Schmids Techter" von Perez Hirschbein, einem der wichtigsten Dramatiker jiddischer Sprache.

Inspiration in Paris

Szymon Laks ging als junger Mann nach Paris und stand dort nicht nur mit polnischen Kollegen im engen Kontakt, sondern pflegte auch enge Verbindungen zu den unorthodoxen Zeitgenossen der Pariser Schule und der "Groupe des Six", einer losen Künstlervereinigung, zu der auch Francis Poulenc gehörte.

Blick über die Schulter des Oboisten, der konzentriert spielt. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Oboist Martin Kögel im Einsatz mit seiner Oboe. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Das Spontan-Konzert der Mitglieder des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin findet wie alle Konzerte derzeit ohne Publikum statt und ist exklusiv im Deutschlandfunk Kultur zu erleben.

Aufgeschlagene Noten auf einem Pult vor den Kirchenfenstern. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Besondere Abendstimmung in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Live aus der Jesus-Christus-Kirche, Berlin-Dahlem

Malcolm Arnold
Divertimento für Flöte, Oboe und Klarinette op. 37

Frauke Ross, Flöte
Martin Kögel, Oboe
Bernhard Nusser, Klarinette


Michail Glinka
"Trio pathétique" für Klarinette, Fagott und Klavier

Bernhard Nusser, Klarinette
Jörg Petersen, Fagott
Wolfgang Kühnl, Klavier


Szymon Laks
"Les Filles du Forgeron" - Musik zur Komödie "Dem Schmids Techter" des jiddischen Dramatikers Peretz Hirschbein, Suite arrangiert von Holger Groschopp und Adele Bitter (Uraufführung)

Adele Bitter, Violoncello
Holger Groschopp, Klavier


Francis Poulenc
Trio für Oboe, Fagott und Klavier

Martin Kögl, Oboe
Jörg Petersen, Fagott
Wolfgang Kühnl, Klavier


Wolfgang Amadeus Mozart
Klarinettenquintett KV 581

Clemens Linder, Violine
Elena Rindler, Violine
Anna Bortolin, Viola
Sara Minemoto, Violoncello
Richard Obermayer, Klarinette

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