Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 25.09.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Die besondere Aufnahme / Archiv | Beitrag vom 29.02.2020

Dlf-Kultur-Produktion: Raphaela Gromes spielt SpätromantischesLust auf großen Celloklang

Gast: Raphaela Gromes; Moderation: Stefan Lang

Beitrag hören
Die Cellistin spielt mit ausladender Geste ihr Violoncello. (Raphaela Gromes / Sammy Hart)
Mit vier Jahren hatte Raphaela Gromes das erste Mal ein Cello in der Hand. (Raphaela Gromes / Sammy Hart)

Raphaela Gromes hat das Cellospiel in ihrer DNA: beide Ihrer Eltern sind professionelle Cellisten. Nun hat sie spätromantisches Repertoire von Robert Schumann, Richard Strauss und Julius Klengel eingespielt.

Zwei cellospielende Eltern - Raphaela Gromes ist mit und durch das Instrument groß geworden. Inzwischen hat sie selbst eine internationale Karriere gestartet.

Zu Beginn spielt Gromes die Romanze von Richard Strauss, die ihr Vater immer wieder gespielt hat. Der warme, gesangliche  Klang seines Spiels war lange ihr Ideal. "Als ich das Stück dann selbst spielen konnte, war das eine Erfüllung für mich. Das Stück hat solche weiten Melodiebögen, die ganz innig und jugendlich verliebt sind, dann aber auch die temperamentvollen, virtuosen, verspielten und humorvollen Teile, auftrumpfende. In dem Stück ist alles angelegt, was man sich musikalisch wünschen könnte." 

Die Cellistin lacht in die Kamera und hält das Cello mit ausgestrecktem Arm. (Raphaela Gromes / Sammy Hrt)Musikalische Vorbilder fand Raphaela Gromes bei ihren Eltern und den Cello-Größen Rostropovitch und du Pré. (Raphaela Gromes / Sammy Hrt)

In der Einspielung präsentiert Raphaela Gromes das Cellokonzert von Julius Klengel, geboren 1859 in Leipzig, wo er bis 1933 auch lebte. Er stammt, wie die junge Interpretin, aus einer Musikfamilie. Man könnte schon von einer Leipziger Klengel-Dynastie sprechen, denn 1924 spielten sieben Klengls im Gewandhausorchester. Ab 1881 stand Julius der Cellogruppe also führender Solocellist des Orchester vor. 

Der virtuose Cello-Komponist

Selbstverständlich hat er viel für sein Instrumente komponiert, neben Scherzi und Suiten auch das groß angelegte Konzert in a-moll, das wahrscheinlich in den 1890er Jahren entstand. Es sei voller schwelgerischer Melodien mit mendelssohnscher Leichtigkeit, sagt die Cellistin, "mit einer Virtuosität, die nur ein Cellist haben kann, das es so in den Fingern liegt!"

Solche Läufe würde sich kein Komponist trauen, der nicht selbst Cello spiele, meint die Interpretin. Er beherrschte das Cello, wie Liszt oder Chopin das Klavier. Er komponierte "süffige, mitreißende, berührende Spätromantik", weit weg von jeder Modernität der Jahrhundertwende. 

Konzertschlummer in der Bibliothek

Klengel verbindet Gromes mit einer Tournee als 18jährige, auf der sie einen Hymnus von Klengel spielte, der 12 für Celli gesetzt ist. Das Werk war so eingängig, dass sie sich daraufhin gezielt auf die Suche nach weiterem Repertoire machte. So stieß sie auf die vier Cellokonzerte Klengels.

Das dritte ist unbekannt. Bisher hatte niemand diese Musik auf CD gebannt. Das lag daran, dass es in der Staatsbibliothek in Berlin ruhte, als unveröffentlichtes Manuskript. Und so wurde dieses Konzert extra für die Einspielung editiert. 

Das Orchester steht auf der Bühne des großen Sendesaales des Berliner Funkhauses in der Masurenallee. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)Der Konzertsaal im Haus des Rundfunks war der Ort die Einspielung mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Simon Pauly)

Robert Schumann habe nicht so ideal in die Cellisten-Finger komponiert, gibt Gromes an. "Ein paar Läufe liegen etwas ungünstig." Aber das Konzert sei für sie die "größte Musik für das Cello, die es gibt. Es macht immer eine große Freude, das zu spielen."

Emotionales Auf und Ab

Das Konzert entstand nach der Ankunft der Schumanns in Düsseldorf, wo sie euphorisch begrüßt wurden. Doch die dipolaren Stimmungsschwankungen nahmen zu. Diese würde man im Konzert auch antreffen, meint Raphaela Gromes. Besonders berührend findet sie den zweiten Satz. Der sei ganz frei von Schmerz, gerade in seinem wundervollen Dialog zwischen ihrem Solopart und dem Solocellisten des Orchesters.

Richard Strauss
Romanze für Violoncello und Orchester F-Dur

Julius Klengel
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 3 a-Moll op. 31

Robert Schumann
Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129

Raphaela Gromes, Violoncello
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Nicholas Carter

Aufnahmen vom April 2018 im Haus des Rundfunks in der Masurenallee

Mehr zum Thema

Das Oboenkonzert von Richard Strauss - „Handgelenksübung eines alten Mannes…“
(Deutschlandfunk Kultur, Interpretationen, 29.09.2019)

Eine Lange Nacht über Robert Schumann - "Es treibt mich ein dunkles Sehnen"
(Deutschlandfunk Kultur, Lange Nacht, 14.09.2019)

Integration durch Musik - Wie Bubenreuth zur Hochburg des Geigen- und Gitarrenbaus wurde
(Deutschlandfunk Kultur, Musikfeuilleton, 28.02.2020)

Konzert

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur