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Tonart | Beitrag vom 09.01.2015

Django 3000Balkanband aus Bayern

Von Veronika Schreiegg

Die Band Django 3000 (David Schlichter / südpolmusic)
Die Band Django 3000 (David Schlichter / südpolmusic)

In einem Dorf im Chiemgau startet die bayerische Balkanband Django 3000 ihre Deutschlandtour, die zum Triumphzug werden könnte. Bekannt wurden die vier Musiker mit ihrem Hit "Heidi", mittlerweile versuchen auch Norddeutsche, die Texte mitzusingen.

Wer hinter dem neuen Albumtitel von Django 3000 einen politischen Verweis zu Napoleon vermutet, der irrt. Und das obwohl Bonaparty, der Titelsong des Albums, tatsächlich in Russland entstanden ist, wo Napoleon einst durch einen blutigen Feldzug traurige Berühmtheit erlangte. Ganz anders das Ansinnen der vier bayerischen Musiker:

"Wir waren auf Russlandtour und haben gefeiert mit einer finnischen Band, die auch auf Tour war und aus dem Nichts heraus haben wir diesen Refrain gesungen und diesen Ausdruck Bonaparty kreiert und letztlich kann man sagen, dass das einfach eine königliche Art des Feierns ist, so a bissal drüber einfach – das ist das, was wir vor haben und auch schon immer gemacht haben: mit vielen Leuten kräftig Gas geben."

Musik: "Kimm mit und tanz, kimm mit, kimm mit – kimm mit und tanz"

Tanzen, Spaß haben – das ist das erklärte Ziel von Django 3000. Deshalb sucht man auch auf dem dritten Album der Band vergebens nach intellektuellen Impulsen, ausgeklügelten Metaphern oder poetischen Stilblüten.

Sie bezeichnen sich als Zigeuner-Rockband

Interessanter ist vielmehr der Klang dieser bayerischen Band, die sich selbst gerne als bayerische Zigeuner-Rockband bezeichnet. Das bedeutet konkret, dass bei ihnen anstatt der E-Gitarre eine mit Tonabnehmern versehene Geige zum Einsatz kommt, und anstatt der elektrifizierten Bass-Gitarre ein Kontrabass, der ebenfalls mit Tonabnehmern zum Rockinstrument umfunktioniert wird. Sieht man die Band live, dann bekommt man fast Mitleid mit dem Instrument, denn Michael Fenzel steigt mitunter beherzt auf den Bauch des Kontrabasses, zerrt am Hals – er traktiert ihn regelrecht.

"Also mein Kontrabass ist ein sehr günstiger Bass – aus Sperrholz. Und Sperrholz ist einfach stabiler als ein hochwertiger Orchesterbass. So einen habe ich auch zuhause stehen, aber so einen würde ich niemals auf eine Django-Tour mitnehmen. Und dadurch, dass er günstig ist, kann man da sehr viel rumbasteln und rumschrauben und wenn er auseinanderbricht, dann schraubt man ihn halt wieder zamm."

Ohne diese pragmatische Beziehung zum Instrument, wären die zupackenden Gute-Laune-Musiker von Django 3000 tatsächlich nicht denkbar, genauso wenig ohne ihren bayerischen Dialekt. Der fügt sich ins Gesamtbild der aktuellen bayerischen Musikszene, die sich dadurch auszeichnet, dass bayerische Bands wieder zunehmend im Dialekt singen – ganz so wie in den 80er Jahren zu Zeiten der bayerischen Spider Murphy Gang, den Hochzeiten von Konstantin Wecker oder der Band Haindling.

"... I fang wieda vo vorn o, weil an gestan i mi ned erinnern ko ..."

"Man hört ja immer wieder den Ausdruck Neue Bayerische Welle – das fand ich am Anfang immer etwas affig, aber man kann das schon so sehen: Es gibt immer mehr, die sich trauen, bayerische Mundart zu singen und es klingt auch unglaublich gut: bayerisch ist sehr rund im Vergleich zur deutschen Sprache, was man auch von den Leuten im Ausland hört, wenn man dort spielt. Die sagen, dass das Deutsche sehr hart und das Bayerische sehr weich und anmutig klingt."

"... Es is koa Windhauch mehr zum Hean, nur im Dorf hearst d'Kinder rean ..."

Norddeutsche lernen die Lautsprache

Hinter dem, was so weich und anmütig klingt, steckt bei Django 3000 ein typisch bayerisches Selbstverständnis, das sich aus Eigenwilligkeit speist, aus einer bayerisch-archaischen Lebensart, deren Schauplatz nicht zuletzt das Wirtshaus ist. Dass Django 3000 ihre Tour genau dort starten, im Gasthaus zum Ott, im beschaulichen Staudach-Egerndach, überrascht deshalb kaum.

"Des ist des Heimatdorf vom Florian, dem Geiger und dem Camil, dem Sänger und das ist halt das Wirtshaus, wo die halt immer dort sind und da waren wir zu viert auch schon unzählige Male dort, regelmäßig. Und das ist ganz nett, wenn das Publikum, das sonst in den Städten ist auch mal zu uns aufs Land rausfährt und das erleben wir auch, dass die von Köln oder auch von weiter her anreisen um da zwei Tage mit uns zu feiern."

Die Django 3000-Konzerte "beim Ott" genießen mittlerweile Kultstatus und sind eine Art Testlauf für die diesjährige Tour, auf der die vier bayerischen Musiker ihr neues Album vorstellen. Bis zur bundesweiten Konzerttournee im Februar – dann mitunter in Berlin, Hannover, Hamburg und Bremen - bleibt dem norddeutschen Publikum also noch ein wenig Zeit um textsicher zu werden.

"Klar gibt es viel weniger, die mitsingen, aber es gibt Leute, die dann die Lautsprache lernen. Es gibt ja die Texte abgedruckt und übers Hören versuchen die die Sprache zu imitieren und die, die die Texte nicht gelernt haben, die kennen halt nur die Refrains und singen dann (imitiert): Hey Hei, Hey Hei etc. – statt ..."

"Wer von eich kennt die Heidi ..."

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