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Kompressor | Beitrag vom 21.06.2016

Diversität in Messenger-DienstenMüssen Emojis politisch korrekt sein?

Christian Conradi im Gespräch mit Timo Grampes

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Emojis auf dem Display eines Smartphones (dpa / picture alliance / Matthias Balk)
Emojis auf dem Display eines Smartphones (dpa / picture alliance / Matthias Balk)

Die wahre Sprache des Internets sollen sie sein, die bunte Symbole aus Chatnachrichten, die für Freude, Zorn oder einfach nur Döner stehen. 72 neue gibt es seit heute − warum Schusswaffen nicht dabei sein dürfen, erklärt Christian Conradi.

Emojis, das sind die kleinen, bunten Symbole, die in Chatnachrichten Zorn oder Freude ausdrücken, aber auch einfach Gegenstände wie Tannenbaum, Kloschüsseln oder Herz. Mehr als 1700 Emojis gibt es bereits, am Dienstag sind 72 neue hinzugekommen. Darunter ein Selfie-Emoji, eine schwangere Frau oder ein Döner.

Über neue Emojis entscheidet Unicode, eine gemeinnützige Organisation in den USA, die die digitale Kommunikation internationalisieren und vereinfachen will. Mitglied werden kann grundsätzlich jeder, aber nur ausgewählte Mitgliedsinstitutionen entscheiden über neue Emojis, sagt der Journalist Christian Conradi.

Indonesien: Versuche, schwule Emojis zu verbieten

Es werde immer mehr mit Emojis kommuniziert. Sogar politisch seien diese inzwischen geworden. So gebe es Debatten darüber, ob Emojis unterschiedlich Hautfarben haben sollten.

"Apple preschte vor mit farbigen Emojis, Facebook hat dieses Jahr nachgezogen, und bis heute wird im Netz eigentlich diskutiert, ob das nicht vielleicht Rassismus fördert, diese Art der Emojis. Oder ob es nicht besser gewesen wäre, so eine neutrale Färbung beizubehalten, diese gelben Emojis, die es am Anfang gab, auch schwule und lesbische Emojis sind immer wieder mal ein Thema. In Indonesien zum Beispiel haben schon mehrmals Politiker versucht, diese schwulen Emojis zu verbieten in Apps."

Manche Emojis seien aber auch ganz harmlos, so Conradi. "Heute zum Beispiel auch noch neu dabei: die Kiwi, die Avocado und die Kartoffel. Da gab es bestimmt nicht so viele Proteste." 

Nicht ausgewählt wurden hingegen das Emoji für ein Gewehr sowie eines Emojis für den Modernen Fünfkampf: "Auch dort war eine Schusswaffe eigentlich vorgesehen in dieser Grafik. Und Apple hat da so viel Druck gemacht in dem Konsortium des Unicode, weil sie sagen, wir wollen da nicht die Waffenverherrlichung in der Kommunikation noch verstärken."

Außerdem sei so ein Symbol den Kritikern zufolge in Zeiten der vielen Amokläufe und Terroranschläge "zynisch".

Mehr zum Thema:

Erik Spiekermann - Emojis sind ein kultureller Rückschritt
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 16.6.2016)

Politisch korrekte Emojis - Smileys in vielen Hautfarben
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 1.9.2015)

Von Insidern für Insider - Digitale Bildchen für Kafka und Co.
(Deutschlandradio Kultur, Sein und Streit, 26.7.2015)

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