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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.12.2014

Diskutieren Sie mit!Frieden auf Erden – eine Illusion?

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Palästinensische Demonstranten stießen am Freitag im Westjordanland mit israelischen Soldaten zusammen.  (HAZEM BADER / AFP)
Dauerkonflikt: Palästinensische Demonstranten und israelischen Soldaten im Westjordanland (HAZEM BADER / AFP)

Die Konflikte auf der Welt nehmen eher zu als ab, so scheint es. Ist der globale Frieden überhaupt möglich? In unserer Sendung diskutieren Friedensforscher Michael Brzoska und Menschenrechtspolitiker Tom Koenigs (Grüne) über einen lang gehegten Traum der Menschheit.

"Und Frieden auf Erden.", heißt es jetzt in der Weihnachtszeit, zitiert aus der Weihnachtsgeschichte. Wenn man auf das Jahr 2014 zurückblickt, bekommt man einen anderen Eindruck: 2014 erscheint als ein Jahr der Krisen und Kriege. Ob der Ukraine-Konflikt, der Dauerkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern, Syrien, Irak, Afghanistan oder der IS-Terror. War 2014 kriegerischer als die Jahre zuvor?Warum zetteln wir Menschen immer wieder Konflikte und Kriege an? Warum ist es so schwer, Frieden zu schaffen – und zu halten? Ist Frieden auf Erden eine Illusion?

"Krieg und Terrorismus sind keine Naturphänomene", sagt Prof. Dr. Michael Brzoska. Der Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg zitiert aus der Charta der UNESCO: "Krieg beginnt in den Köpfen der Menschen." Der Wissenschaftler sieht 2014 nicht als ein außergewöhnliches Jahr. Weltweit gebe es 30 bis 35 bewaffnete Konflikte, diese Zahl sei relativ konstant geblieben in den letzten Jahren. "Aber die Entwicklung macht mich skeptisch, dass es in den nächsten Jahren besser werden kann. Wenn man sich die Ukraine anschaut, das Verhältnis USA und Russland, oder auch das Verhältnis Russland und der Westen. Dazu der IS mit dem IS in Syrien passiert, das strahlt auch aus. Da könnte es noch mehr Kriege geben."

"Eine machbare Utopie"

Jeder Konflikt, jeder Krieg habe seine eigenen Regeln. Dementsprechend schwierig sei es, die Konflikte dauerhaft zu beenden. Seine Mahnung: "Man muss unterscheiden zwischen Frieden schaffen und Frieden halten."

Frieden auf Erden – für Michael Brzoska ist das, "… eine Utopie, die durchaus machbar wäre. Ein historisches Beispiel ist die EU." Es sei ein großer Gewinn, dass die einzelnen Staaten, die früher im Krieg gelegen hätten, ihre Konflikte heute ohne Waffengewalt austragen.

"Früher war es leichter, Gut und Böse auseinanderzuhalten. Die Übersichtlichkeit wie im Kalten Krieg gibt es nicht mehr", sagt Tom Koenigs, Sprecher für Menschenrechtspolitik von Bündnis 90/Die Grünen. Als Gesandter der UN war er in vielen Krisenregionen unterwegs, darunter im Kosovo und in Afghanistan.

Waffeneinsatz nur im Extremfall

Bei seinen Missionen geht es ihm besonders um den Schutz der Bevölkerung: "Es ist schon viel gewonnen, wenn man Konflikte von der Seite der Opfer her sieht. Dann wird das Bild etwas klarer. Und wenn man es von den Opfern her sieht, dann zu allererst, dass man ihr Überleben in Würde sichert. Das gilt für Flüchtlinge ebenso wie für die, die in Kriegen leben müssen."

Dabei gelte es zunächst zu versuchen, diplomatisch einzugreifen, dann entwicklungspolitisch. "Und im extremsten Fall mit dem Einsatz von Waffen. Aber das auch nur, wenn zu erwarten ist, dass sich dadurch die Situation verbessert."

Ist der Weltfrieden eine Illusion? "Nein, das hat für mich die Konnotation, dass es sich nicht lohnt, dem nach zu gehen. Da bin ich entschieden dagegen. Es ist eine große Hoffnung! Wir sind unseres Glückes, unseres Pechs, unserer Kriege und des Friedens eigener Schmied!"

Frieden auf Erden – eine Illusion? Darüber diskutiert Gisela Steinhauer mit Michael Brzoska und Tom Koenigs.

Informationen im Internet über Prof. Dr. Michael Brzoska und über Tom Koenigs.

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