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Fazit | Beitrag vom 27.05.2020

Diskussion zur Umbenennung des RKI"Das Robert Koch-Institut hat genau den richtigen Namen"

Christoph Gradmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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 Der Eingang des Robert Koch-Instituts ist mit seinem Namenslogo durch Bäume hindurch zu sehen.  (www.imago-images.de)
Trotz Kritik: Der Medizinhistoriker Christoph Gradmann hält eine Namensänderung des Robert Koch-Institut nicht für notwendig. (www.imago-images.de)

Wegen ethisch fragwürdiger Forschungsmethoden seines Namensgebers fordert der Historiker Jürgen Zimmerer die Umbenennung des Robert Koch-Instituts. Der Wissenschaftler Christoph Gradmann widerspricht.

Der Historiker Jürgen Zimmerer hatte in unserem Programm gefordert, dass Robert Koch-Institut solle sich bald umbenennen, weil Namensgeber Robert Koch in Ostafrika Experimente an Menschen ohne deren Einwilligung durchgeführt hatte. Dabei hatte er auch wissentlich ihren Tod in Kauf genommen.

Die Kritik Zimmerers sei durchaus nachvollziehbar, erklärt der Medizinhistoriker und Robert-Koch-Biograf Christoph Gradmann: 

"Es ist keine Frage, dass Robert Kochs Forschungen über Schlafkrankheit in Ostafrika nach unseren heutigen medizinethischen Maßstäben und auch nach unseren politischen Maßstäben zu beanstanden sind. Denn er hat dort therapeutische Experimente durchgeführt, sehr zum Schaden der Patienten."

Forschungen im historischen Kontext betrachten

Allerdings greife Zimmerers Kritik zu kurz. Man müsse sich vielmehr die Frage stellen, "wie ungewöhnlich ist das für die Zeit?". Wenn es um die Frage einer historischen Bewertung ginge, müsse man nicht nur gucken, ob es unseren Maßstäben entspreche, sondern man müsse auch die Frage stellen, "war das nach den Maßstäben seiner eigenen Zeit zu beanstanden?". Und da kämen ihm Zweifel, sagt Gradmann. 

Die therapeutischen Experimente Kochs unterschieden sich nicht von denen anderer Forscher in ähnlichen Situationen und in ähnlichen Zeiten. 

Denkmal von Robert Koch in Berlin Mitte vor dem Universitätsklinikum Charité  (www.imago-images.de)Trotz der nach heutigen Maßstäben fragwürdigen Forschungsmethoden gebe es ein bleibendes Erbe Robert Kochs, sagt der Medizinhistoriker Christoph Gradmann. (www.imago-images.de)

Wenn man die Vorbildfunktion Robert Kochs in Frage stelle, müsse man "den ganzen Robert Koch in den Blick nehmen und nicht nur den Schlafforscher". Und da falle eben doch auf, dass der Mediziner im Bezug auf das öffentliche Gesundheitswesen bahnbrechende Forschungen geleistet habe und viele dieser Forschungen nach heutigen Maßstäben und auch nach damaligen Maßstäben ethisch nicht zu beanstanden gewesen seien.

"Ich erinnere an Kochs Arbeiten zur Tuberkulose, zur Cholera und zu anderen Themen."

Als Forscher ein Glücksfall

Es sei ein "Glücksfall" gewesen, dass man in Robert Koch sowohl einen "Spitzenforscher" als auch einen "Spitzenbeamten seines Staates" gleichzeitig gehabt habe.

"Was an ihm beeindruckt, ist die methodische und technologische Strenge, mit der er seine Experimente durchführt hat." Nur deshalb wüssten wir heute, dass die Tuberkulose von einem Bakterium verursacht wird, und somit ist für den Medizinhistoriker Gradmann klar: "Das Robert Koch-Institut hat genau den richtigen Namen."

(kpa)

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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