Freitag, 20.09.2019
 

Im Gespräch | Beitrag vom 17.08.2019

Diskussion um Tierwohl und KlimawandelKönnen wir noch guten Gewissens Fleisch essen?

Hilal Sezgin und Felix Prinz zu Löwenstein im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Auf einem Grill werden Steaks gebraten. (Unsplash / Manuel Silva)
"Es ist moralisch falsch, Tiere zu töten", sagt die Journalistin und Philosophin Hilal Sezgin. Biolandwirt Felix Prinz zu Löwenstein widerspricht. (Unsplash / Manuel Silva)

Kaum ein Lebensmittel ist so umstritten wie Fleisch: Kann man angesichts von Massentierhaltung und Klimawandel noch unbesorgt in ein Steak beißen? Reicht es, mehr Biohaltung zu fördern – oder sollten wir alle Vegetarier werden?

Fleisch zu essen, gehört in Deutschland zum Alltag. In den vergangenen Jahren lag der Verzehr pro Kopf bei etwa 60 Kilogramm im Jahr. Zu viel sagen Tier- und Klimaschützer. Die einen wenden sich gegen die Massentierhaltung, die anderen beklagen die Umweltbelastung, die von der intensiven Tierhaltung in Deutschland ausgeht. Die Forderungen reichen vom Ausbau der Biohaltung von Tieren bis hin zum radikalen Verzicht auf Fleisch.

Fleisch essen – eine Frage der Moral

"Es ist moralisch falsch, Tiere zu töten", sagt die Journalistin und Philosophin Hilal Sezgin. Sie setzt sich seit langem für die Rechte von Tieren ein und hat dazu auch Bücher geschrieben. "Wir schlachten 800 Millionen Tiere jedes Jahr in Deutschland, wir sperren sie ein, wir transportieren sie hin und her, wir amputieren ihnen Körperteile. Das alles ist Gewalt." Sie selbst hat daraus ihre Konsequenzen gezogen: Die Veganerin lebt in der Lüneburger Heide, wo sie einen privaten Gnadenhof für Schafe, Ziegen und Hühner unterhält.
In Gesprächen erfahre sie, dass viele Fleischesser auch ein schlechtes Gewissen haben: "Wir alle wissen, dass es nicht gut ist, Fleisch zu essen. Die Leute können die Filme von den Schlachthöfen nicht sehen." Das zeige ihr auch, "dass für uns Menschen Moral wichtig ist." Und doch ließen sie sich im nächsten Moment von Billangeboten locken. Ein Ansatzpunkt für sie, zu diskutieren – und vielleicht den einen oder die andere zum Nachdenken über den individuellen Fleischkonsum zu bringen.   

Gehören Tiere zur Nahrungskette?

"Eine Nahrungsproduktion für alle auf der Welt ohne Nutzung von Tieren ist nicht möglich", sagt Felix Prinz zu Löwenstein. Der Agrarwissenschaftler und Bio-Landwirt ist Vorsitzender des Bundesverbandes Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Er setzt sich seit langem für eine Umkehr in der Haltung von Nutztieren und der Fleischproduktion ein. "Wir müssen deutlich weniger Tiere halten und wir müssen sie anders halten." Dafür stehe die ökologische Landwirtschaft. Aber artgerechte Haltung habe ihren Preis – und die Verbraucher müssten bereit sein, ihn zu zahlen.  
Eine vegane Lebensweise leiste einen Beitrag, den Konsum von tierischen Lebensmitteln zu reduzieren und bringe die Menschen dazu, sich mit Fragen der Tierhaltung auseinanderzusetzen. Ganz auf Fleisch zu verzichten, ist für den Bio-Landwirt allerdings keine Alternative. "Die ethische Frage, ob man Tiere umbringt, um sie zu essen, muss jeder für sich stellen. In der Natur gibt es eine Nahrungskette – und am Ende dieser Kette steht der Mensch. Das halte ich für vertretbar."

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