Eltern unter Druck

"Wir müssen unser Arbeitsleben reformieren"

08:28 Minuten
Illustration: Zeigt Freiberufler bzw. Arbeit in einer häuslichen Umgebung. Mutter und Vater arbeiten von zu Hause, während die Kinder nach Aufmerksamkeit verlangen.
Zerrissen zwischen Beruf und Familie: Helfen könnten Arbeitszeitmodelle, die mehr Luft zum Leben lassen. © Getty Images / iStockphoto / Marina Borodacheva
Katja Kraus im Gespräch mit Korbinian Frenzel · 19.09.2022
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Soll ein Gesetz Eltern vor Benachteiligung im Arbeitsleben schützen? Die Managerin und Autorin Katja Kraus hält die Idee für bedenkenswert. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei nach wie vor oft eine Lüge.
Ferda Ataman, Beauftragte des Bundes für Antidiskriminierung, will das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erweitern. Es weise derzeit große Lücken auf, sagte sie dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

Benachteiligung am Arbeitsplatz

So werde beispielsweise rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt durch Schlupflöcher im Gesetz legal. Zudem fänden Menschen, die alte oder kranke Angehörige pflegen und deshalb im Arbeitsleben benachteiligt seien, dort bisher keine Berücksichtigung - ebenso wie Eltern, denen es schwergemacht werde, Beruf und Familie zu vereinbaren.
Katja Kraus, ehemalige Fußballerin und derzeitige geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt im Bereich Sports auf der Bundespressekonferenz zum Thema: Frauen Quoten/FüPoG/Teilhabe It s the women, stupid.
Mehr Zeit zur Besinnung und für soziales Engagement: Katja Kraus sucht nach Arbeitszeitmodellen für eine Zeit, in der Arbeit nicht mehr an erster Stelle steht.© imago images / Metodi Popow
Auch sie beobachte Diskriminierung aufgrund von Elternschaft, sagt Katja Kraus, Publizistin, Managerin im Sport und ehemalige Fußball-Nationalspielerin. Vor allem Frauen seien von dem Problem betroffen. Nur etwa ein Viertel der Väter nehme momentan Elternzeit in Deutschland, und wenn Männer das tun, dann machen sie es in der Regel deutlich kürzer als Mütter.

Die Lüge von der Vereinbarkeit

"Gerade dann, wenn Frauen tatsächlich Führungspositionen beanspruchen, wird es unheimlich schwer", sagt Kraus. "Dann ist Vereinbarkeit nach wie vor ganz häufig eine Lüge."
Die gesellschaftliche Antwort darauf müsse ein neues Verständnis und eine andere Organisation von Arbeit sein. Dabei sei es wichtig, unterschiedliche Dimensionen in den Blick zu nehmen, so Kraus:

Wir reden immer nur von Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber es gibt ja auch noch Liebesbeziehungen, es gibt soziales Engagement. Und wenn wir voraussetzen, dass nachfolgende Generationen in ihrer Lebensbedeutungs-Hierarchie die Erwerbstätigkeit nicht mehr an die erste Stelle setzen, dann müssen wir unbedingt Lösungen finden, die das berücksichtigen.

Katja Kraus, Managerin und Publizistin

Veränderung ist anstrengend

Eine Gesellschaft, die Veränderungsprozesse durchmache, sei deutlich komplizierter als das Festhalten am Status quo, findet die Managerin. "Pluralismus ist anstrengend, Diversität ist anstrengend – aber unfassbar gewinnbringend", sagt sie. Es gehe darum, neue Rahmenbedingungen zu schaffen und etablierte Glaubenssätze in Frage zu stellen.
Für ein vielversprechendes Modell hält sie etwa die Einführung von Zeitbudgets, zum Beispiel, um Menschen zu pflegen, oder auch um intensiv seinen Hobbys nachzugehen oder Auszeiten zu nehmen. "Ich glaube, wir müssen unsere Arbeitszeitmodelle grundsätzlich reformieren", sagt Kraus, "sonst entsprechen sie einfach nicht mehr den Lebensmodellen der Menschen."

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