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Buchkritik | Beitrag vom 05.07.2019

Dirk Schulze-Makuch / William Bains: "Das lebendige Universum"Warum außerirdisches Leben wahrscheinlich existiert

Von Michael Lange

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Cover des Sachbuchs "Das lebendige Universum" (Springer Verlag)
Gibt es außerirdisches Leben? - Dieser Frage wird in dem Sachbuch "Das lebendige Universum" nachgegangen. (Springer Verlag)

In Science-Fiction-Werken tauchen sie oft auf: außerirdische Wesen. Dass es sie gibt, ist gar nicht unwahrscheinlich, erklären die Wissenschaftler Dirk Schulze-Makuch und William Bains in ihrem Buch "Das lebendige Universum".

Wir sind wahrscheinlich nicht allein im Universum. Die Chancen stehen gut, dass sich irgendwo auf anderen Planeten ebenfalls Leben entwickeln konnte: einfache Formen, die sich fortpflanzen, oder sogar Leben mit technischer Intelligenz.

Die beiden Wissenschaftler Dirk Schulze-Makuch und William Bains wenden sich in ihrem Sachbuch an interessierte Leserinnen und Leser außerhalb des Wissenschaftsbetriebs. Dennoch steigen sie tief ein in ihr Thema und liefern viele spannende Details. Vorwissen über die Grundlagen von Astronomie, Biologie und Geologie ist zur Lektüre nicht unbedingt nötig, aber hilfreich.

Wie und wann Leben entstehen kann

Der Aufbau des Buches könnte spannender sein. Die Autoren zählen zunächst zahlreiche Voraussetzungen für Leben unterschiedlichster Art auf. Auch wenn die Debatte um außerirdisches Leben geradezu einlädt zur Spekulation, versuchen sie sachlich zu bleiben und ihre Argumente abzuwägen. Sie lehnen sich nicht aus dem Fenster, und so bleiben ihre Aussagen bisweilen vage.

Wer Leben auf fremden Planeten aufspüren möchte, muss zunächst herausfinden, unter welchen Bedingungen es überhaupt entstehen kann. Als Vorlage und Bezugsgröße bleibt da nur das Leben auf der Erde. Dort entstanden vor etwa vier Milliarden Jahren zunächst einfache Moleküle und später Zellen, die sich mit einer Hülle gegenüber der Außenwelt abschotteten. Das ging relativ schnell in einigen Millionen Jahren. Bis daraus komplexere Mehrzeller hervorgingen dauerte es allerdings länger.

Ähnliche Mechanismen lassen sich in der Evolution immer wieder beobachten. Die gleichen Gesetze von Zufall und Selektion gelten überall auf der Erde, aber auch für jeden anderen Planeten irgendwo im Universum.

Eine Milliarde bewohnbare Planeten

Deshalb ist die Suche nach "bewohnbaren" Planeten für Astrobiologen so wichtig. Hier müssen für lange Zeit Bedingungen geherrscht haben, unter denen der Zufall eine Chance erhielt.

Dabei muss das Leben dort nicht genauso aufgebaut sein wie auf der Erde. Es könnte völlig andere Formen bilden und biochemisch anders aufgebaut sein. Das gilt sogar für Himmelskörper ganz in unserer Nähe wie den Mars, den Saturnmond Titan oder den Jupitermond Europa. Dort könnte anders geartetes Leben existieren, wenn auch kein intelligentes Leben, schreiben die beiden Experten.

Insgesamt schätzen sie die Zahl der bewohnbaren Planeten in unserer Galaxie auf etwa eine Milliarde, auch wenn bisher überhaupt nur 3500 Exoplaneten entdeckt wurden. Bei so viel Auswahl stehen die Chancen nicht schlecht, dass Leben auch anderswo zufällig seinen Weg fand. Die Zahl der Galaxien im gesamten Universum ist so riesig, dass die Entstehung von Leben dort geradezu wahrscheinlich erscheint, auch wenn wir es wegen der großen Entfernungen vielleicht nie entdecken werden.

"Das lebendige Universum" liefert viele Argumente, um angeregt über fremdes Leben zu diskutieren. Als Basis dienen dabei nicht Fantasie und persönliche Überzeugungen, sondern wissenschaftliche Fakten. Aber am Ende müssen auch Wissenschaftler spekulieren. Noch.

Dirk Schulze-Makuch und William Bains: "Das lebendige Universum. Komplexes Leben auf vielen Planeten?"
Übersetzt von Bernhard Gerl
Springer-Verlag, Heidelberg 2019
277 Seiten, 24,99 Euro

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