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Im Gespräch | Beitrag vom 17.02.2021

Dirigent Patrick Hahn"Man muss ein bisschen narzisstisch veranlagt sein"

Moderation: Marco Schreyl

Porträt des Dirigenten Patrick Hahn. (Gerhard Donauer / C&G Pictures)
Patrick Hahn begann mit elf Jahren sein Klavierstudium in Graz, später kam das Dirigieren hinzu. (Gerhard Donauer / C&G Pictures)

Schon mit zwölf stand Patrick Hahn am Dirigentenpult. Vom großen Kurt Masur habe er später gelernt, wie „die Aura eines Menschen Musik beeinflusst“. Mit 25 Jahren ist der Österreicher jetzt zum Generalmusikdirektor in Wuppertal berufen worden.

Was Mozart konnte, das würden er auch schaffen, dachte sich Patrick Hahn und beschloss 2008, eine Oper zu verfassen. Da war der Österreicher zwölf Jahre alt, saß nach einem Auftritt mit seinem Chorleiter in einem Gasthaus - und löffelte an einer Frittatensuppe.

Die Oper konnte also nur "Die Frittatensuppe" heißen. Das Stück steckt voller "Liebe, Drama, Eifersucht und Mord", erklärt er: Als Zwölfjähriger habe er gedacht, das wären die perfekten Zutaten für eine Oper, so erinnert sich Patrick Hahn heute.

Früher Drang zum Dirigieren

"Unser Chorleiter war verrückt genug zu sagen, gib mir die Partitur, ich werde die Sänger organisieren. Und dann hat er mir auch gezeigt, wie man bis vier schlägt, damit ich mein eigenes Stück dirigieren kann", erzählt Patrick Hahn.

Heute, 13 Jahre später, ist er Generalmusikdirektor der Wuppertaler Bühnen und der jüngste "GMD" Deutschlands. Das Komponieren sei bei ihm inzwischen sehr in den Hintergrund getreten. "Das sollen Leute machen, die das besser können", sagt der Dirigent.

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Schon früh sei ihm klar gewesen, "zwischen zwölf und 15, dass ich dirigieren möchte." Seine Eltern, die Mutter Bürokauffrau, der Vater Schlosser, waren seine wichtigsten Förderer, auch wenn sie mit Musik eigentlich nichts zu tun hatten: "Sie haben einfach alles unterstützt, was ich machen wollte", erzählt der Österreicher.

Die Aura der Meister am Pult 

Mit elf Jahren begann Patrick Hahn sein Klavierstudium in Graz, später kam das Dirigieren hinzu. Ein Meisterkurs, kurz vor dessen Tod 2015, führte ihn zu Kurt Masur.

"Das war für mich eine spannende Zeit, auch weil ich das erste Mal wirklich gesehen habe, wie die Aura eines Menschen die Musik beeinflusst", sagt er. "Es ist gar nicht so sehr nur das Bewegen der Hände. Sondern einfach die Willenskraft dieses Mannes. Wir Studenten konnten schlagen, was wir wollten. Wir konnten das nicht erreichen."

Bei aller Bewunderung für die großen Dirigenten, eine Kopie von ihnen, so Patrick Hahn, wollte er nicht sein.

"Je jünger man ist, umso mehr versucht man, irgendetwas zu erreichen, indem man irgendetwas nachahmt. Das muss man aber sehr bald wieder ablegen", erklärt er. "Ich kenne auch einige junge Kolleginnen und Kollegen, die eine Kopie ihrer Lehrer sind. Das hat absolut keine Zukunft, irgendein Spiegelbild von irgendwem zu sein."

Eher zufällig Generalmusikdirektor

In den letzten Jahren dirigierte Patrick Hahn weltweit. Er spielte mit den Münchner Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, oder auch mit dem Istanbul Philharmonic Orchestra.

Dass er jetzt Generalmusikdirektor in Wuppertal wurde, sei eher zufällig passiert, einen Chefposten habe er nicht gesucht. Nach einem Gastauftritt "kam man auf mich zu, ob mich diese Stelle interessieren würde", erzählt er.

In diesen jungen Jahren ein Orchester zu leiten, ist eine besondere Herausforderung, weiß Patrick Hahn. Aber darin liege für ihn auch der Reiz. "Irgendwie hat sich das in frühen Jahren bei mir schon herauskristallisiert, dass ich gern leite. Ein bisschen narzisstisch muss man ja fast veranlagt sein, um sich vor ein Orchester zu stellen. Da muss man ehrlich bleiben."

"Man steht vielen Individuen gegenüber"

Und wie in einer Fußballmannschaft, so Patrick Hahn, ginge es nur gemeinsam.

"Man steht vielen Individuen gegenüber, die alle eine eigene musikalische Meinung haben. Das sind keine Maschinen, die irgendwas reproduzieren, sondern die haben alle eine eigene Idee. Die brauchen da vorne keinen mehr der ihnen erklärt, warum Wagner anders ist als Mozart. Demokratie gibt es nach wie vor keine, das ist schon klar. Es kann nur einen geben, der sagt, wie es ist. Aber, man muss flexibel bleiben."

(ful)

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