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Interview | Beitrag vom 03.06.2019

Digitalökonomie und DatenschutzDatenkrake Staubsauger

Sarah Spiekermann-Hoff im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Prototyp eines Staubsaugeroboters sammelt kleine bunte Schokobonbons ein. (imago / IPON)
Wer hinter die Kulissen unserer smarten Haushaltsgeräte schaut, kriegt schnell einen Schreck, meint Sarah Spiekermann-Hoff. Sie fordert eine digitale Ethik. (imago / IPON)

In den letzten Jahren habe sich ein massiver Überwachungskapitalismus entwickelt, beklagt die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann-Hoff. Jüngstes Beispiel: Der Staubsaugeroboter, der Grundrisse der Wohnung erstellt und die Daten weitergibt.

Der Staubsaugerroboter, der nicht nur den Teppich reinigt, sondern nebenbei auch noch den Grundriss der Wohnung aufzeichnet und die Daten an die Firma übermittelt: Vor einigen Tagen entdeckten Informatiker der TU Darmstadt gravierende Sicherheitslücken in einem populären Saugerobotermodell

Dass Hacker die Kontrolle über diese Roboter übernehmen könnten, ist der Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann-Hoff zufolge dabei allerdings wohl noch das geringere Problem. Mehr Sorgen müsse man sich über die Herstellerfirma machen: "Das Gefährliche ist, dass Firmen diese Art von Überwachungskapitalismus als Geschäftsmodell etablieren und das dann auch in die Technik einbauen", betont die Autorin des Buchs "Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert".

"Dann sind die Firmen diejenigen, die uns überwachen und diese Grundrisse weiterverkaufen und der Hacker braucht gar nicht in den Staubsauger einzudringen, sondern der kauft sich die einfach von der Firma."

Datenschutzgrundverordnung konsequent umsetzen

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt Spiekermann-Hoff zufolge zum einen daran, dass man sich lange Zeit über diese Dinge keine Gedanken gemacht habe: "Dass es vielleicht ein Problem sein könnte, einen Grundriss von einer Wohnung zu machen, obwohl es eigentlich nur ein Staubsauger ist", so die Wirtschaftsinformatikerin. Zum anderen sei problematisch, dass persönliche Daten als Geschäftsmodell betrachtet würden, als "Öl der Digitalökonomie". So sei in den letzten Jahren ein Überwachungskapitalismus entstanden, "der so massiv ist, dass wir, wenn wir ein bisschen hinter die Kulissen unserer Geräte schauen, erschrocken sind, in was für einer Überwachungsgesellschaft wir uns derzeit befinden".

Um Verbraucher vor solchen Entwicklungen zu schützen, brauche es eine digitale Ethik, betont die Wirtschaftsinformatikerin. Außerdem müsse die Datenschutzgrundverordnung umgesetzt und Verstöße knallhart sanktioniert werden. "Dann würde es solche Staubsauger auch gar nicht mehr geben können, zumindest nicht in Europa. Und das müssen wir richtig hart durchsetzen."

(uko)

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