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Studio 9 | Beitrag vom 20.03.2018

Digitalisierung im AlltagSmarter wohnen

Von Ludger Fittkau

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Eine Frau steuert via Tablet verschiedene Smart Home-Funktionen an. (imago stock&people)
Den Wohn-Alltag smart gestalten: Im Fraunhofer Institut in Darmstadt wird daran geforscht. (imago stock&people)

Teppiche, die Stürze erkennen und automatisch Notrufe absetzen; Kissen, die die Atmung im Schlaf kontrollieren: In einer Musterwohnung in Darmstadt wird die Zukunft des Wohnens getestet. Das Forschungsprojekt zum sogenannten Smart Living soll vor allem alten Menschen helfen.

"Would you lay down please?"

Die israelische Studentin ist etwas überrascht, als der junge Forscher sie bittet, sich auf das Sofa zu legen. Doch da es um eine streng wissenschaftliche Laborsituation geht, zögert sie nicht lange: Sie legt sich auf das bequeme Sofa, dessen Kissen mit Sensoren gespickt sind.  Auf einem Monitor kann die Studierendengruppe beobachten, wie die Sensoren die Veränderung der Körperhaltung registrieren. 

Tests in der Musterwohnung

Das Labor, in dem sich die Gruppe befindet, ist eine Musterwohnung, in der  das sogenannte "Smart Living" getestet wird. Jede ungewöhnliche Bewegung der Bewohner führt dazu, dass ein Alarm ausgelöst wird. Leiter des Forschungsprojektes am Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung ist Andreas Braun:

"Beispielsweise haben wir hier unseren intelligenten Teppichboden, der in der Lage ist, Personen zu erkennen und auch Stürze zu erkennen und dann entsprechend auch Notrufe abzusetzen. Wir haben hier ein Hausautomatisierungssystem, das automatisch Lichter schaltet, beispielsweise wenn man nachts aufsteht, oder dieses auch wieder ausschaltet, wenn man von der Toilette zurückkommt. Und so haben wir unsichtbare Sensoren oder auch Steuergeräte, die eine Person unterstützen können."

Betten mit Schlaf-Monitoring

Die Zielgruppe für diese digitalen Überwachungs- und Assistenzsysteme in der Wohnung sind vor allem alte und mobilitätseingeschränkte Menschen. Auch ihr Schlaf kann in der Musterwohnung von den Wissenschaftlern überwacht werden:

"Beispielsweise haben wir auch in unserem Bett integriert ein Schlaf-Monitoring. Das heißt, wir überwachen die Atmung von Personen während des Schlafes und können so feststellen, ob vielleicht Atemaussetzer passieren und können dort entsprechend auch einen Notruf starten."

Eine Frau liegt in einem Bett und verändert mit einer Handbewegung das Licht. Die Technik wird in dem Prototyp eines Smart Home in Fuenterrabia in Spanien.  (AFP PHOTO/ Ho/ Think Big Factory)Smarter schalfen: Bett mit diverse Kontrollfunktionen. (AFP PHOTO/ Ho/ Think Big Factory)
Das Projekt des Darmstädter Fraunhofer-Instituts ist Teil des  Wettbewerbs "Digitale Stadt" des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.  – kurz Bitkom. Diesen Wettbewerb hat  die Stadt Darmstadt im vergangenen Jahr gewonnen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Digitalisierung öffentlicher und privater Dienstleistungen weit hinter Ländern wie Großbritannien und Australien zurück. Darmstadt soll deshalb nun zu einer Art "digitalem Großlabor" für eine technische Aufholjagd werden.

Jochen Partsch, Darmstadts grüner Oberbürgermeister, unterstützt das Projekt ausdrücklich. Er sieht aber auch die Gefahren der Datensammelei bei den Bürgern:

"Ein kluger Mensch hat mal gesagt: Diejenigen, die glauben, die Digitalisierung bekämpfen zu wollen, überschätzen ihre Möglichkeiten. Diejenigen, die glauben, die Digitalisierung bejubeln zu müssen, unterschätzen deren Wirkung. Ich glaube, genau in dem Spannungsfeld bewegen wir uns und mit unseren Mitteln, die wir als Stadt haben. Mit unseren Partnern in diesem Wissenschafts-Ökosystem Darmstadt werden wir alles tun, um einen kommunalen aber unter Umständen wichtigen Beitrag dazu leisten, wie Digitalisierung aussehen kann und wie sie nicht aussehen darf."

Städtische Apps für Müllabfuhr und Stadtplan

Der Oberbürgermeister stellt sich eine Smartphone-App für die Bürger vor, auf der von der Müllabfuhr bis zum Stadtplan für behinderte Menschen alle kommunalen Dienstleistungen künftig online abgerufen werden können.

Ein Forschungsprogramm für Darmstadt könnte helfen

Noch sind Eingriffe mit der Hand erforderlich, um zum Beispiel Ampelschaltungen entsprechend der Verkehrsströme fließend anzupassen. Doch Ralf Tank will das bald ändern:

"Ich würde mir wünschen, dass über die Digitalstadt Darmstadt ein Forschungsprogramm jetzt aufgemacht wird, um das zu automatisieren."

Am Ende könnten auch Formen des zumindest halb-autonomen Fahrens stehen, mit denen der innerstädtische Autoverkehr über Laptops im Straßenverkehrsamt gelenkt wird. Wer  in Darmstadt auf Ampeln zurollt, könnte künftig Kaffeetrinken statt zu lenken. Auch daran arbeiten sie in der südhessischen "Digitalstadt".

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