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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.06.2020

Digitales LernenSchüler müssen mehr können als Klicken und Wischen

Birgit Eickelmann im Gespräch mit Axel Rahmlow

Eine Schülerin und ein Schüler einer dritten Klasse schauen auf einen Laptop. (picture alliance/ dpa/ Sebastian Kahnert)
"Mit den Geräten alleine ist es noch nicht getan", sagt die Schulpädagogin Birgit Eickelmann. (picture alliance/ dpa/ Sebastian Kahnert)

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung an den Schulen voran – im neuen Nationalen Bildungsbericht ist sie zentrales Thema. Die Schulpädagogin Birgit Eickelmann hat ihn mitgeschrieben und sagt, wie die Erfahrungen der Krise genutzt werden könnten.

Seit drei Monaten befinden sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern in Deutschland mitten in einem Echtzeit-Experiment: Homeschooling nennt es sich und meint die "Schule von Zuhause aus". Das digitale Lernen steht während der Coronakrise hoch im Kurs. Das spiegelt sich auch im Nationalen Bildungsbericht wieder, den Bund und Länder jetzt veröffentlicht haben. Ein Thema, das dieses Mal darin noch wichtiger ist als sonst: die Digitalisierung der Schule.

Die Bildungsministerin Anja Karlizschek hat es so formuliert: "Das digitale Lernen voranzutreiben ist aus meiner Sicht das Gebot der Stunde. Eines hat sich verändert: Jetzt ist ,Learning by Doing’ angesagt." Birgit Eickelmann ist "hin- und hergerissen", wenn sie sich dieses "Learning by Doing" als Leitsatz für ein neues digitales Bildungskonzept vorstellt. Eickelmann ist Professorin für  Schulpädagogik an der Universität Paderborn. Sie leitet die wichtigste Studie, wenn es um digitale Bildung geht, die ICILS-Studie. Auch bei dem neuen Nationalen Bildungsbericht hat sie mitgewirkt.

Kinder aus ärmeren Familien wurden vergessen

Natürlich habe die Coronakrise die Schulen vor neue Aufgaben gestellt, sagt Eickelmann. Beim Thema "Digital gestütztes Lernen" gebe es jedoch schon viele Studien und Forschungsbefunde, auf die man jetzt aufbauen könne. Es gebe zum Beispiel immer noch keine entsprechende IT-Ausstattung in den Schulen: Internetverbindung und Endgeräte fehlten. Kinder aus ärmeren Haushalten seien in den letzten Jahren "ein Stück weit vergessen" worden, Lehrkräfte "nicht gut ausgebildet in der Fläche".

Doch die letzten Monate hätten auch gezeigt, dass viel Innovationskraft in den Schulen und Lehrkräften stecke. Diese Erfahrungen gelte es nun zu bündeln.

"Mit den Geräten alleine ist es noch nicht getan", betont Eickelmann: 30 Prozent der Jugendlichen in Deutschland könnten "nur klicken und wischen". Sie könnten nicht auf entsprechende Informationen zugreifen und diese reflektieren. Das habe man auch in den vergangenen Monaten gemerkt. In denen seien viele Aufgaben per Mail gestellt worden: "Aber wir stellen gar nicht sicher, dass die Schülerinnen und Schüler wirklich auch dann damit lernen können."

Lehrkräfte könnten entlastet werden

"Wir müssen ganz pragmatisch diese Kompetenzen jetzt in die Lehrpläne der Schulen und in die Schulprogramme aufnehmen", sagt Eickelmann. Eigentlich habe das die Kultusministerkonferenz im Jahr 2016 schon gefordert, das sei aber "in der Breite noch nicht so passiert".

Auf Lehrkräfte würden dabei nicht automatisch weitere Belastungen zukommen. Sie könnten durch das digitale Arbeiten auch entlastet werden. Das werde hierzulande häufig übersehen, sagt Eickelmann.

(sed)

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