Digitale Kunst beim Auktionshaus Christie's

    Millionen für eine Datei

    07:53 Minuten
    Das Digitalkunstwerk "Beachccombers" von A.A.Gurmankin zeigt den Horizont in der Nacht mit einem sehr hellen Stern, dem Mond und der Milchstraße.
    Mit digitalen Kunstwerken lasse sich jetzt eher Geld verdienen, sagt Kunstexpertin Anika Meier - manchmal mehr als für physische Ausdrucke. © imago images / A.A.Gurmankin
    Anika Meier im Gespräch mit Johannes Nichelmann · 05.03.2021
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    Das Auktionshaus Christie‘s versteigert erstmals ein digitales Kunstwerk mit Echtheitszertifikat und es werden Millionen Dollar dafür geboten. Nicht nur Künstler profitierten durch den digitalen Eigentumsnachweis, sagt Kunstexpertin Anika Meier.
    Millionen Dollar für ein digitales Kunstwerk: Das Auktionshaus Christie's setzt neue Maßstäbe. Bisher hätten Sammler vor allem für physische Malerei Preise in Millionenhöhe gezahlt, sagt die Kunsthistorikerin Anika Meier. Doch auch das Interesse für digitale Kunstwerke wachse und verändere den Kunstmarkt. Dies zeige die aktuelle Versteigerung des US-Künstlers Beeple:
    "Er heißt mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann. Seit 13 Jahren macht er jeden Tag eine digitale Arbeit. Das kann man sich wie einen gezeichneten Cartoon vorstellen. Teilweise zeichnet er Trump und andere tagesaktuelle Ereignisse und teilt das dann auf Instagram."
    Diese Arbeiten habe er unter dem Titel "The First 5000 Days" zu einer Collage zusammengefasst. Aktuell würden bei Christie‘s dafür mehr als drei Millionen Dollar geboten.

    Echtheitszertifikat als Eigentumsnachweis

    Neu sei, dass erstmals ein digitales Kunstwerk mit Echtheitszertifikat angeboten werde, einem sogenannten NFT:
    "Das ist die Abkürzung für Non-Fungible Token und ein Echtheitsnachweis für jede digitale Datei." Und dies könne alles Mögliche sein, was digital darstellbar ist: Musik, Kunst, virtuelles Land oder Sammelkarten. "Und das ist jetzt fälschungssicher auf der Blockchain eingeschrieben als digitale Datei. Und das heißt NFT."
    Dadurch erhielten die digitalen Kunstwerke erstmals einen Wert als Unikate, so Meier: "Jetzt kann man das erwerben und kann dann eben nachweisen, dass einem diese Arbeit gehört."

    Verleih an Museen möglich

    Vor allem auf dem sozialen Audio-Netzwerk Clubhouse werde darüber diskutiert. Der US-Journalist Jesse Damiani habe sich besonders mit der Christie’s Auktion befasst, sagt Meier. Sammler könnten die Werke nicht nur ausdrucken und aufhängen: "Er kann sich eben auch vorstellen, dass Sammler dafür sorgen, dass es an der Fassade von einem Museum oder bei der Art Basel eben an der Wand zu sehen ist - da gibt es viele Möglichkeiten."
    Profitieren würden Künstler und Künstlerinnen, die schon lange digitale Arbeiten machten, etwa für Webseiten und andere soziale Medien. "Viele von ihnen sind kreativ, haben vorher beispielsweise Auftragsarbeiten erledigt. Und die können jetzt eben ihre Arbeiten verkaufen und endlich von dem leben, was sie eigentlich gerne machen wollen."

    Hohe Preise für digitale Kunst

    Erst kürzlich habe ein Künstler auf Clubhouse darüber berichtet, dass er das erste Mal 8000 Dollar für ein Kunstwerk erhalten habe, so Meier. "Da ist die Freude groß und auf Marktplätzen wie 'Nifty Gateway' und 'SuperRare' hört man von hohen Preisen für digitale Kunst, die täglich dort gedropt – angeboten wird - und das ist das Revolutionäre."
    Zum Teil mit erstaunlichen Ergebnissen wie beim australischen Künstler Ry David Bradley: "Da ist die physische Arbeit für 12.500 Dollar verkauft worden. Und für die Datei hat er 20.000 US-Dollar bekommen. Das ist auch interessant: Die Datei ist plötzlich teurer als die physische Arbeit."
    (mle)
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