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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.04.2013

Digitale Bibliothek der USA eröffnet

Die Digital Public Library of America ist für alle online zugänglich

Von Kerstin Zilm

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Bücher für alle. Immer. Digital. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Bücher für alle. Immer. Digital. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Die zukünftig größte öffentliche Bibliothek der USA öffnet ihre Tore. Die Digital Public Library of America hat das ehrgeizige Ziel, irgendwann das kulturelle Erbe der Menschheit allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Kostenlos.

Die größte treibende Kraft hinter dem Projekt der Digital Public Library of America ist Robert Darnton. Der Direktor der Harvard University Library träumt von einer weltweiten Universalbibliothek. Deshalb war er zunächst auch ein großer Fan von Google Books, als der Software-Gigant begann, Bücher kostenlos zu digitalisieren und ins Netz zu stellen. Als Google Gebühren für die Nutzung der Materialien auch von den Bibliotheken forderte, die ihre Dokumente kostenlos zur Verfügung gestellt hatten, wurde Darnton zum lautstarken Gegner de Projekts. Als ein Gericht Google Books wegen Urheberrechtsfragen vor zwei Jahren stoppte, bezeichnete Darnton das als einen Sieg für die Öffentlichkeit und das Allgemeinwohl. Die Entscheidung verhindere, dass ein börsenorientiertes Unternehmen Zugang zu kulturellem Gemeingut monopolisiere. Der Historiker gab seinen Traum nicht auf. Er brachte führende Vertreter von Bibliotheken, Universitäten und anderen US-Kulturinstitutionen zusammen, um ihn jenseits von Profitdenken zu verwirklichen.

"Uns schwebt vor, eine Bibliothek zu schaffen, die genauso umfassend oder sogar umfassender als die Bibliothek des Kongresses ist. Sie soll das gesamte Kulturerbe der USA umfassen und für alle Online kostenlos verfügbar sein - von einzelnen Personen über Universitäten in North Dakota und Schulen in Alabama bis hin zu Seniorenheimen."

Die neue digitale US-Bibliothek verwahrt selbst keine Dokumente. Sie verwaltet und organisiert Metadaten, über die sie zu digitalisierten Büchern, Manuskripten und Kunstwerken in Büchereien, Archiven und Museen in den USA verlinkt. Dazu gehören Dokumente aus der Bücherei des Kongresses und des Smithsonian Institutes genauso wie Zeugnisse lokaler Geschichte von kleinen Museen in abgelegenen Regionen, erklärt der Direktor der digitalen US-Bibliothek Dan Cohen:

"Das sind alle möglichen Materialien: Wir haben Manuskripte und Briefe, Tagebücher und Stoffe, Fotografien und Kunstwerke. Den Anfang machen bereist digitalisierte Materialien. Natürlich geht es vor allem um Bücher in einer Bibliothek, aber uns geht es um die gesamte Palette menschliche Ausdrucksformen nicht nur Bücher und Texte."

Urheberrechte rund um Digitalisierung und Veröffentlichung von Büchern ließ Googles Pläne der Universalbibliothek scheitern. Sie sind auch für die öffentliche Bibliothek ohne Profitstreben neben der Finanzierung das größte Problem. Stiftungen haben das Projekt mit großzügigen Spenden für die nächsten Jahre gesichert. Doch rechtliche Auseinandersetzungen mit Autoren und Verlegern könnten seinen Erfolg und die Freigiebigkeit der Spender unterminieren. Robert Darnton setzt auf die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten zum Wohl der Allgemeinheit. Zu seinen Vorbildern gehören die von der EU initiierte Europeana sowie öffentlich zugängliche digitale Bibliotheken in Australien, Norwegen und anderen Ländern.

"Wir sind in den USA hinterher mit dieser Entwicklung. Es wäre schön gewesen, das alles vor zehn, 15 Jahren zu machen. Das Gute daran ist, dass wir von den großen Fortschritten lernen können."

Nicht nur rechtliche und finanzielle Fragen der Digital Public Library of America müssen weiter diskutiert werden, sondern zum Beispiel auch: Welche Materialien gehören wirklich in diese Bibliothek? Wie kann sie Informationen lokaler Bibliotheken integrieren, ohne deren Existenz zu bedrohen? Können Nutzer die Materialien herunterladen, drucken und verändern? Robert Darnton plädiert für Antworten zwischen Utopismus und Pragmatismus. Werten, die wie er sagt, bereits die Gründungsväter beim Schreiben der US-Verfassung leiteten.

"Unser Land wurde mit den Prinzipien der Aufklärung gegründet, mit dem Anspruch, dass alle Zugang zu Wissen und Diskussion um die Republik haben sollten. Damals war das ein hohes Ideal, ein utopischer Traum. Jetzt können wir ihn verwirklichen - dank moderner Technologie."

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