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Fazit | Beitrag vom 15.01.2020

"#diewelle2020" am Grips-TheaterDer Schulklassiker reißt nach wie vor mit

Von Malte Hennig

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Szenenfoto aus "Die Welle" am Grips Theater in Berlin:  Im Vordergrund drei junge Männer in weißen Kapuzenpullovern, einer liegt auf dem Boden und die anderen helfen ihm entweder nach oben oder drücken ihn nach unten.  (david baltzer / bildbuehne.de)
Jochen Strauch verortet "Die Welle" am Berliner Grips Theater im Hier und Jetzt - inklusive "Fridays For Future", Instagram und Donald Trump. (david baltzer / bildbuehne.de)

Sind wir auch heute noch anfällig für Faschismus? Dieser Frage widmet sich Jochen Strauch in seiner aktualisierten Fassung des Schullektüre-Klassikers „Die Welle“ am GRIPS Theater. Der Stoff hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt.

"Ich dachte, wir machen sowas wie Fridays for Future", versucht sich die Lehrerin zu rechtfertigen und wirft damit ein altes Experiment ins Heute. Vor über 50 Jahren experimentierte der Geschichtslehrer Ron Jones mit seinen Schülern an einer High School in den USA über die Entstehung von Faschismus und stellte fest, wie leicht und verführerisch es sein kann, sich autoritären und faschistischen Tendenzen hinzugeben.

Mit dem Stück "#diewelle2020" verortet der Regisseur und Autor der Bühnenfassung, Jochen Strauch, den bekannten Stoff im Hier und Jetzt. Seine Figuren verweisen auf "Fridays For Future" und "The Walking Dead" und debattieren über Fußball, Instagram und auch Donald Trump. Diese Alltäglichkeit der Figuren lässt "Die Welle" ohne Probleme in unserer heutigen Zeit ankommen.

Szene aus "#diewelle2020": Zwei Junge Männer in weißen Kapuzenpullis und eine ältere Frau mit Blazer auf der Bühne. (david baltzer / bildbuehne.de)Irgendwann fangen einige Figuren dann doch an, zu zweifeln. Diese Momente der Überforderung gehören zu den stärksten Szenen des Stücks. (david baltzer / bildbuehne.de)

Zwar fällt es zu Beginn schwer, nachzuvollziehen, wie die Figuren in den Strudel der Bewegung geraten, doch je länger das Stück geht, desto weniger stellt sich für die Zuschauerinnen und Zuschauer die Frage nach der Motivation. Die Figuren sind nun Teil der Welle. Punkt. Daran wird deutlich, wie einnehmend eine solche Bewegung sein kann und wie sie zweifelnde Fragen einfach überrollt.

Die neue "Welle" überzeugt nicht durchgängig

Wenn im weiteren Verlauf des Stücks einige Figuren doch anfangen, zu zweifeln, dann gehört es zu den stärksten Szenen des Stücks, ihre Überforderung mitzuerleben. Sie sind in etwas hineingeraten, beginnen zu zweifeln, wissen aber nicht, wie sie dem wieder entkommen sollen.

Die "#diewelle2020" vermag es nicht, die Zuschauerinnen und Zuschauer durch das ganze Stück hindurch mitzunehmen. Doch in ihren stärksten Momenten zeigt sie, wie leicht wir von ihr mitgerissen werden können.

#diewelle2020
Neue Fassung von Jochen Strauch
Grips Theater Berlin

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