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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.07.2018

"Die Zauberflöte" in SalzburgViel Effekt, wenig Wirkung

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Adam Plachetka (Papageno), Christiane Karg (Pamina) in der Inszenierung der "Zauberflöte" von Lydia Steier bei den Salzburger Festspielen. (Salzburger Festspiele/Ruth Walz)
Adam Plachetka (Papageno) und Christiane Karg (Pamina) in der Inszenierung der "Zauberflöte" von Lydia Steier bei den Salzburger Festspielen 2018. (Salzburger Festspiele/Ruth Walz)

Die Neuinszenierung der "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen wartet mit Opulenz auf. Diese führe jedoch zu nichts, sagt unser Kritiker. Auch musikalisch und gesanglich ist diese "Zauberflöte" für ihn - bis auf wenige Ausnahmen - eine Enttäuschung.

Mit Spannung erwartet: Die Premiere von Mozarts "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen. Die Neuinszenierung unter der Regie von Lydia Steier, mit Constantinos Carydis am Dirigentenpult, überzeugte unseren Kritiker Jörn Florian Fuchs indes nicht: Der Abend sei szenisch wie musikalisch enttäuschend.

Opulenz, die enttäuscht

Die Regisseurin habe einen Hang zur Opulenz - und den lebe sie auch in der "Zauberflöte" aus: ein aufwändiges Bühnenbild, das die Handlung in die Zeit der Industrialisierung und Vorkriegszeit - um 1913 - verlagere, Star-Schauspieler Klaus Maria Brandauer als durch die Rahmenhandlung führender, Märchen vorlesender Großvater, zahlreiche Artisten, die effektvolle Dinge auf der Bühne vollführen. 

"Die Zauberflöte", Inszenierung von Lydia Steier bei den Salzburger Festspielen, 2018: Birgit Linauer (Alte Papagena), Adam Plachetka (Papageno), Mauro Peter (Tamino) (© ruth walz)Birgit Linauer (Alte Papagena), Adam Plachetka (Papageno), Mauro Peter (Tamino) (© ruth walz)

 "Viel, viel Effekt, fast schon ein szenischer Overkill", sagt Fuchs. "Aber das Ganze, diese Schauwerte, die führen zu relativ wenig. Nach einer halben Stunde hängt das erstaunlich durch." Obwohl es eine vergleichsweise kurze Inszenierung sei, da Brandauer viele Textpassagen als Erzähler zusammenfasse, ziehe es sich in die Länge. "Irgendwie ist nicht so ganz klar, wohin diese Inszenierung eigentlich will."

Was will der Dirigent?

Ebenso wenig überzeuge ihn der Abend musikalisch, so Fuchs weiter. "Die Wiener Philharmoniker, die gerade bei Mozart das Expertenorchester sind, haben heute vermutlich ein bisschen gegen ihre Urüberzeugung gespielt." Dirigent Carydis agiere wild am Pult und mache "völlig eigenartige Tempi und Tempiwechsel". Das sei zum Teil sehr künstlich, an manchen Stellen auch ein großer Klangzauber - hinterlasse aber alles in allem eher Verwirrung.

Ein Problem seien auch, bis auf wenige Ausnahmen, die Sänger. "Was gar nicht geht, ist Matthias Goerne als Sarastro. Das ist so begrenzt vom Spektrum her, so düster-kehlig, das fand ich ganz fürchterlich. Und außerdem agiert er wirklich, als ob er einen Liederabend gibt."

Nur Königin der Nacht und Papagena glänzen

Ebenfalls schwach sei Mauro Peter als Tamino, ebenso habe ihn Christiane Karg als Pamina enttäuscht. "Es liegt eine Erdenschwere über dieser Produktion", fasst Fuchs seine Eindrücke zusammen.

Herausragend seien einzig Albina Shagimuratova als Königin der Nacht und Maria Nazarova als Papagena.

(mkn)

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