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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 11.01.2013

Die Weiße Revolution für den Iran

Vor 50 Jahren verkündete Schah Mohammed Reza Pahlavi ein umfassendes Reformprogramm

Von Tobias Mayer

Der iranische Kaiser Schah Reza Pahlavi und seine Gattin Farah Diba (picture alliance / dpa)
Der iranische Kaiser Schah Reza Pahlavi und seine Gattin Farah Diba (picture alliance / dpa)

Schah Mohammed Reza Pahlavi wollte den Iran nach westlichen Vorstellungen umgestalten. Am 11. Januar 1963 stellte er dafür ein umfassendes Reformprogramm vor, welches er die "Weiße Revolution" nannte. Das Programm verschärfte allerdings die Gegensätze im Land noch.

"Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, den Iran in den nächsten 20 Jahren auf den Stand der Zivilisation der fortschrittlichsten Länder der Welt zu heben. In den vergangenen zehn Jahren haben wir die Hälfte unseres Rückstands aufgeholt. Aber der schwierigste Teil des Weges liegt noch vor uns."

Schah Mohammed Reza Pahlavi nannte 1963 sein Reformprogramm Weiße Revolution, ein Umbruch ohne Gewalt, ohne Tote sollte es werden. Doch es kam anders. Die schiitischen Mullahs reagierten prompt, einer von ihnen war der bisher unbekannte Ayatollah Khomeini, der den Untergang der islamischen Ordnung heraufbeschwor.

"Oh, lieber Herr Schah, ich möchte nicht, dass sie wie ihr Vater werden. Ist es nicht Zeit, ein wenig zu reflektieren, wohin sie das alles führt und die Lektion aus den Erfahrungen ihres Vaters zu lernen?"

Der Vater des Schahs war ein Anhänger Atatürks gewesen. Schon in den 30er-Jahren wollte er Iran nach europäischem Muster reformieren. Doch die iranische Gesellschaft war dafür nicht bereit. Anfang der 60er-Jahre unternahm sein Sohn, Schah Mohammed Reza, dann einen neuen Anlauf. Am 11. Januar 1963 stellte er ein Sechspunkte-Programm vor. Eine Landreform, die Privatisierung der Industrie, das Frauenwahlrecht und eine Bildungsoffensive waren die zentralen Anliegen.

"Wenn ich mich entschlossen habe, über diese Reformen eine Volksabstimmung herbeizuführen, dann deshalb, weil ich verhindern will, dass unsere Bauern jemals wieder zu Leibeigenen werden, dass die Bodenschätze unseres Landes dem Gewinnstreben einiger weniger zugutekommen und dass die Bedeutung dieser revolutionären Veränderungen nicht mehr auf Betreiben einer Minderheit beeinträchtigt oder zerstört werden kann."

Bei der Volksabstimmung Ende Januar stimmten 99 Prozent der Wähler für die Reform. Es gehört zu den Widersprüchen der neueren iranischen Geschichte, dass selbst das nicht reichte, um die Gegner mundtot zu machen. Der mächtige schiitische Klerus fürchtete, die Kontrolle über das islamische Stiftungsland zu verlieren. Vor allem aber die pro-westliche Politik des Schahs war Khomeini zuwider. Er machte sich zum Sprachrohr einer kleinen Gruppe innerhalb der Geistlichkeit, die sich nun politisch radikalisierte. Khomeini forderte die Abschaffung der Monarchie. Der Schah erwiderte:

"Diese Kräfte sind es, die den Fortschritt und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindern. Aber die Reaktionäre sind dem iranischen Volk glücklicherweise bekannt. Notfalls werden wir ihre Namen preisgeben."

Das war nicht mehr nötig, denn Ayatollah Khomeini trat Anfang Juni 1963 offen auf und verunglimpfte das Schah-Regime in seiner sogenannten "Rede gegen den Tyrannen unserer Zeit". Er prangerte die wachsende Korruption, die Gewalttätigkeit von Polizei, Militär und dem berüchtigten Geheimdienst SAVAK an.

"Die Nation wird ihnen nicht erlauben, so weiter zu machen. Die religiösen Gelehrten und der Islam sind die Schwarze Reaktion auf ihre Weiße Revolution, die gegen die fundamentalen Grundsätze verstößt. Was meinen sie mit Weißer Revolution? Warum versuchen sie, die Menschen so zu täuschen? Warum behandeln sie die Menschen so?"

In den Tagen darauf kam es zu landesweiten Demonstrationen und Unruhen mit Dutzenden Toten. Khomeini wurde verhaftet, unter Hausarrest gestellt und nach weiteren öffentlichen Stellungnahmen im November 1964 ausgewiesen.

Die Reformen der Weißen Revolution sollten das Eigentum gerechter verteilen, doch das Gegenteil passierte. Die Großgrundbesitzer wurden für die Enteignungen mit Anteilen an der rasant wachsenden Industrie entschädigt, das brachte viel mehr Profit. Und die Bauern bekamen die Felder nicht geschenkt, sondern mussten dafür teure Kredite aufnehmen und nun selbst für Bewässerung, Zugvieh und Geräte sorgen. Ihre Erträge aus der Landwirtschaft genügten oft nicht. Die Schere zwischen Arm und Reich ging immer weiter auseinander. Die soziale Sprengkraft in Iran wuchs stetig an. 1971 resümierte ein Kommentator des "Spiegel".

"Die Zeit ist abzusehen, da der Kreis der händeküssenden Schah-Diener nicht mehr eng genug ist, um den Kaiser vor den neuen Wirklichkeiten in seinem Lande zu schützen. Die Weiße Revolution des Schahs hat die Widersprüche in der iranischen Gesellschaft verschärft - die wahre iranische Revolution steht noch aus."

1979 war es soweit, allerdings entfernte die Islamische Revolution den Iran noch weiter von westlichen Vorstellungen. Der Schah wurde gestürzt und Khomeini errichtete einen Gottesstaat.

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