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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.11.2009

Die Ursachen der Zivilisationskrankheiten

Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann: "Die Steinzeit steckt uns in den Knochen", Piper Verlag, 320 Seiten

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Viele Krankheiten lassen sich bis zur Steinzeit zurück verfolgen. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Viele Krankheiten lassen sich bis zur Steinzeit zurück verfolgen. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Das Buch "Die Steinzeit steckt uns in den Knochen. Gesundheit als Erbe der Evolution" rollt die Geschichte des Menschen und seiner Krankheiten auf und es geht sehr weit zurück. Detlev Ganten, Thilo Spahl und Thomas Deichmann zeigen, was der Übergang von Einzellern zu Vielzellern vor mehr als einer Milliarde Jahren mit der Entstehung von Krebs zu tun hat.

Sie beschreiben, warum wir Menschen heute noch einen Blinddarm haben und erklären, wie ein kleiner Fehler der Evolution beim Bau von Luft- und Speiseröhre zum Erstickungstod unzähliger Menschen geführt hat.

Die Fakten in diesem Buch sind alle nicht neu, aber es ist spannend geschrieben, und der Leser erfährt nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger, wie die Evolution wirkt, warum einige vollkommen überflüssige Dinge wie Weisheitszähne uns bis heute erhalten blieben, während andere Entwicklungen schon vor Millionen von Jahren in evolutionäre Sackgassen führten. Die Autoren gehen auf die Ursachen vieler Zivilisationskrankheiten wie Rückenschmerzen, Übergewicht oder Bluthochdruck ein. Allerdings dürfte es die wenigsten Leser überraschen, dass unsere steinzeitlichen Vorfahren weder in einer Überflussgesellschaft lebten, noch den ganzen Tag am Schreibtisch saßen.

Die Lösung, die Detlev Ganten und seine Co-Autoren mithilfe ihrer sogenannten Evolutionsmedizin für die meisten Zivilisationskrankheiten finden, ist dementsprechend auch nicht überraschend: sie raten zu Sport und einer gemäßigten Nahrungsaufnahme. Trotzdem ist das Buch interessant und bietet einige verblüffende Erklärungen für Alltagsphänomene.

So können sich Schwangere damit trösten, dass ihre morgendliche Übelkeit wahrscheinlich ein Schutzmechanismus ist, der im Laufe der Evolution entstanden ist, um den Embryo in der Zeit, in der er besonders empfindlich ist, vor möglichen pflanzlichen und bakteriellen Giften zu bewahren. Sonnenanbeter wiederum können sich freuen, dass die frühen Menschen ihr Fellkleid verloren haben und dadurch die Haut gezwungen wurde, die Fähigkeit zur Bräunung zu entwickeln, um sich vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen.

Das Buch ist unterhaltsam und leicht verständlich geschrieben. Und auch wenn viele Zusammenhänge zwischen Gesundheitsproblemen und Lebensstil hinreichend bekannt sind, machen es die immer wieder auftauchenden verblüffenden Zusammenhänge lesenswert, die zeigen, welchen evolutionären Sinn scheinbar überflüssige Phänomene haben.

Besprochen von Monika Seynsche

Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann: Die Steinzeit steckt uns in den Knochen
Piper Verlag
320 Seiten, 19,95 Euro

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