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Studio 9 | Beitrag vom 21.02.2019

Die unbeachteten Krisen auf der Welt"Care" kritisiert Berichterstattung

Linda Staude im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Kakuma, Kenia, 28.07.2018: Kenia Kakuma Fluechtlingslager Kakuma 2/3/4. (Sebastian Wells)
Die riesigen Flüchtlingslager in Afrika, wie hier Kakuma in Kenia, werden meist ignoriert. (Sebastian Wells)

"Leiden in der Stille" heißt der Bericht der Hilfsorganisation "Care", die humanitäre Krisen auflistet, die es kaum in die internationalen Schlagzeilen schaffen. Auch unsere Afrika-Korrespondentin, Linda Staude, fordert mehr Aufmerksamkeit.

In Haiti hungern 2,8 Millionen Menschen, in Äthiopien sogar acht Millionen, in Madagaskar sind knapp die Hälfte der Kinder unterernährt. Medien und Politik interessierten sich zu wenig für diese Krisenregionen, kritisiert die Hilfsorganisation "Care". Sie stellte am Donnerstag ihren Report "Suffering in silence" (Leiden in der Stille) vor und weist damit auf humanitäre Krisen hin, die zu wenig beachtet würden. Zehn Länder werden aufgelistet, acht davon liegen in Afrika.

Ein Archivfoto vom 7. Mai 2013 zeigt den kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta (l), wie er ein Hotel im Zentrum von London verlässt. (afp / Andrew Cowie)Die Tweets von Kenias Präsident Uhuru Kenyatta kennt keiner außerhalb seines Landes. (afp / Andrew Cowie)

Im Fall der USA werde über die Irrungen und Wirrungen der Politik berichtet bis zu Debatten im Justizausschuss, sagte unsere Korrespondentin für Ost –und Zentralafrika, Linda Staude, im Deutschlandfunk Kultur. "Wenn ich so etwas über Kenia berichte, das wäre der totale Witz, das würde niemand senden." Auch ein absurder Tweet des kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta interessiere niemanden. Afrikanische Länder würden da ganz anders wahrgenommen als die USA oder EU-Staaten.

Der afrikanische Kontinent, in dem immerhin 15 Prozent der Weltbevölkerung leben, werde häufig unter der Überschrift Krisen und Katastrophen betrachtet, sagte Staude. Dabei gebe es viel mehr zu berichten. Viele Krisen zögen sich über lange Zeiträume hin, beispielsweise in Somalia über 25 Jahre. Ähnliches gelte für Burundi, die Zentralafrikanische Republik und andere Länder. Das erschwere die Berichterstattung.

Wenig beachtet in Europa  

Entscheidend für die Länder sei allerdings vor allem die Unterstützung von Geberstaaten. Millionen von Menschen seien innerhalb Afrikas auf der Flucht und würden von den ärmsten Ländern der Welt aufgenommen. Das UN-Flüchtlingswerk brauche für deren Versorgung Geld. "Europa neigt in letzter Zeit dazu, nur auf Länder zu gucken, wo Flüchtlinge oder Migranten nach Europa kommen – die, die hier auf dem Kontinent bleiben, die interessieren keinen", sagte Staude. 

Dabei seien die Zustände teilweise katastrophal, wie sie bei ihren eigenen Besuchen in Flüchtlingslagern habe feststellen müssen. Es fehle an Grundnahrungsmitteln, die Zelte fielen auseinander, vom Zustand der Hospitäler und Schulen gar nicht zu reden. Das größte Flüchtlingslager in Kenia existiere bereits seit 25 Jahren. "Da reden wir von Flüchtlingen der dritten Generation." Aber sie würden in Europa in der Berichterstattung und in der Politik viel zu wenig wahrgenommen.

(gem)

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