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Rang I | Beitrag vom 09.07.2016

Die Tänzerin und Choreografin Nelisiwe XabaNicht aufhören zu schreien

Nelisiwe Xaba im Gespräch mit André Mumot

Nelisiwe Xaba in "Uncles and Angels" beim Dance Umbrella Festival 2012 in Johannesburg (dpa / picture alliance / EPA / Kim Ludbrook)
Nelisiwe Xaba in "Uncles and Angels" beim Dance Umbrella Festival 2012 in Johannesburg (dpa / picture alliance / EPA / Kim Ludbrook)

Beim Berliner Festival Foreign Affairs tritt Nelisiwe Xaba als "Urban Mermaid" auf - und berichtet über die Situation in Südafrika. In den Köpfen vieler Europäer sei Afrika eine Art Museumsstück, sagt die Tänzerin und Choreografin.

Nach nur fünf Jahren ist Schluss. Dieser Tage geht in Berlin zum letzten Mal das Foreign Affairs Festival über die Bühne. Es beschäftigt sich mit der Uncertainty unserer Gegenwart und hat wie immer zahlreiche internationale Gäste eingeladen – nicht zuletzt aus Südafrika. Ein besonderer Schwerpunkt gilt dabei Multimedia-Altmeister William Kentridge.

Aber auch sie ist dabei: Nelisiwe Xaba gehört zu den Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten in der Nachtausstellung "Uncertain places" abends ab 22 Uhr im Haus der Berliner Festspiele zu sehen sind.

Geboren in Soweto, dem berühmtesten und berüchtigtsten Township Johannesburgs, ist sie seit Jahrzehnten als Tänzerin und Choreografin in aller Welt unterwegs – als Künstlerin wie als Aktivistin. Bei den Foreign Affairs tritt sie als "Urban Mermaid auf".

Künstler sollen als Gruppe zusammenstehen

Im Gespräch mit André Mumot spricht sie über die nach wie vor schwere Situation in Südafrika und die Rolle, die Künstlerinnen und Künstlern zukommt:

"Während der Apartheid waren es insbesondere Künstler, die uns angetrieben haben. Aus diesem Grund habe ich auch nach 1994 nie aufgehört, mit meiner Arbeit die Gesellschaft zu kritisieren, mir die Politik vorzunehmen. Die derzeitige Regierung versucht, diese Stimmen zu unterdrücken, deshalb ist es umso wichtiger, dass die Künstler als Gruppe zusammenstehen und nicht aufhören zu schreien."

In Europa bemerkt sie dabei immer noch viele Klischeevorstellungen und erlebt es oft, dass das Publikum vor allem wilde, traditionelle afrikanische Tänze von ihr erwartet:

"Das zeigt mir, dass in den Köpfen mancher Europäer Afrika immer gleichbleibt, als wäre der Kontinent bereits ein Museumsstück. Für sie ist Afrika noch genau das, was es vor hundert Jahren war. Da fehlt einfach eine Sicht darauf, was Globalisierung bedeutet und wie wir alle uns im globalen Raum bewegen."

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