Joseph Haydn: "Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz"

Wenn Krieg die Zeiten prägt

Blick nach oben zu einem steinernen Cruzifix. Jesus trägt eine Dornenkrone.
Joseph Haydn erhielt den Auftrag für "Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" aus dem weit entfernten Cadiz, wo die Orchestermusik als Beiwerk für Bibelrezitationen gedacht waren. © Unsplash / Wim van 't Einde
Moderation: Stefan Lang · 04.04.2023
1785 erhielt Joseph Haydn den Auftrag, Jesus letzte Worte für eine Zeremonie musikalisch auszudeuten. Dieses Werk dirigerte Vladimir Jurowski beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Er verwob darin sechs Uraufführungen von Komponisten und Komponistinnen aus Krisengebieten.
Joseph Haydn stellte die Andachtsmusik "Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" im Jahr 1787 fertig. Der Auftrag dafür kam aus dem fernen Cadiz in Spanien. Haydn sollte die letzten Worte Jesu Christi für eine Kirchenzeremonie musikalisch ausdeuten.

Uraufführung in Cadiz

Und so kam das Werk in einer innen schwarz verhüllten Kirchengrotte zur Aufführung. Haydn sendete ein Konvolut aus Einleitung, sieben Sonaten und einem musikalischem Schluss, einem Erdbeben. Der Priester las die Worte und Ausdeutungen und kniete dann vor dem Alter nieder, während die Musik erklang.
Jesu Qualen stehen im Mittelpunkt: er nimmt die Sünden der Welt auf sich. Diese Sünden sind Qualen aller Art, sind Leid, oft durch Menschenhand entfacht. Später bearbeitete Haydn das Werk mehrfach, setzte es für Sreichquartetett und erstellte eine Fassung mit Choranteilen.

Das Werk ins Heute holen

Chefdirigent Vladimir Jurovski entschied sich in der Karwoche für die originale Orchestermusik Haydns. Doch Jurovski wollte das Werk in den aktuellen Kontext stellen, in dieser von Krieg geprägter Zeit. So hat der Dirigent sechs Komponisten eingeladen und an sie Aufträge erteilt. Und so wurde Haydns Bekenntniswerk durch Beiträge aus der Ukraine, dem Iran, aus Belarus und Russland erweitert.
Es sind Komponisten und Komponistinnen, die aus Ländern stammen, in denen derzeit Krieg oder schwere politische Krisen herrschen. Ergänzt werden die Musiken durch Lesungen mit Klaus Lederer, noch amtierender Kultursenator in Berlin.

Neben Krieg steht die Hoffnung

Die Komponisten werden in der Sendung vor ihren Uraufführungen jeweils zu Wort kommen. So erklärt der ukrainische Olesandr Shchetynsy, der aus Kiew anreisen konnte:
"Mein 'Agnus Dei' steht vor dem 'Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun' von Haydn. Meine Hauptidee ist die musikalische Suche nach einer positiven Wendung. Das Positive inmitten eines oft chaotischen Klangs. Es gibt, das ist ganz bewusst, viele unklare, widersprechende Töne und Klänge. Daraus schälen sich dann tonale Akkorde, wie ein Hauch von Hoffnung."

Mehr Informationen finden Sie im Programmheft: hier.

Aufzeichnung vom 03.04.2023 im Kammermusiksaal, Philharmonie Berlin

Joseph Haydn
"
Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" Originalfassung für Orchester

Dazwischen:
Olexandr Shchetinsky
„Agnus Dei“ für Orchester (Uraufführung)  

Victor Copytsko
„Tropus“ für Belarussisches Cymbalom und Orchester (Uraufführung)  

Sara Abazari
"
De Profundis" für Orchester (Uraufführung)  

Victoria Poleva
„Music is coming“ für Orchester mit Solovioline (Uraufführung)  

Anton Safronov
“Sitio … Lacrimae” für Orchester (Uraufführung)  

Boris Filanovsky
“Consummatum est” für Orchester (Uraufführung)

Klaus Lederer, Rezitation
Nadzeya Karakulka, Belarussisches Cymbalon
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Vladimir Jurowski

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