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Interpretationen | Beitrag vom 02.12.2018

Die Sechste Suite für Violoncello solo von Johann Sebastian BachVirtuoser Rausch und überlegene Ruhe

Gast: Harald Eggebrecht, Musikpublizist; Moderation: Ruth Jarre

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Der britische Cellist Steven Isserlis, geboren 1958 (Michal Krumphanzl/CTK/dpa picture-alliance)
Dem Bach-Rätsel auf der Spur: Der britische Cellist Steven Isserlis (Michal Krumphanzl/CTK/dpa picture-alliance)

Die Sechste Suite für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach gehört zu den bedeutendsten Werken für dieses Instrument. Die Frage ist nur, ob sie überhaupt für Violoncello komponiert wurde.

Der Celloliteratur haftet bisweilen etwas Uneigentliches an. Nach Joseph Haydn schrieb über längere Zeit hinweg kein berühmter Komponist mehr ein Cellokonzert, und das eigentlich als solches gedachte Werk von Johannes Brahms wurde zum Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester. Die von Cellisten so geliebte "Arpeggione-Sonate" komponierte Franz Schubert für das gleichnamige, immerhin Cello-ähnliche Instrument, dem aber nur eine kurze Lebensdauer beschieden war.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Ist die vierte die einzige?

Selbst Johann Sebstian Bach habe streng genommen nur eine wahre Suite für Violoncello solo geschrieben, die Vierte. Diese Ansicht vertrat mit André Navarra einer der großen Cellisten des 20. Jahrhunderts. Warum? Die ersten drei seien zu leicht, die Fünfte und Sechste nicht für Violoncello komponiert.

Die Suite Nr. 5 c-Moll BWV 1011 (sie war das Thema der "Interpretationen" vom 23. September 2018) verlangt eine Skordatur, in diesem Fall das Herunterstimmen einer Saite um einen Ganzton. Die Suite Nr. 6 D-Dur BWV 1012 wiederum ist für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben, möglicherweise für ein Violoncello piccolo mit einer zusätzlichen E-Saite. Darum geht es in dieser Sendung mit Harald Eggebrecht und Ruth Jarre.

Was bringt die fünfte Saite?

Was ermöglicht die fünfte Saite? Was bedeutet es, das Werk nur auf vier Saiten zu spielen? Woran kann man hören, auf wievielen Saiten gespielt wird? Was passiert, wenn die Suite auf einer Gambe präsentiert wird? Oder auf einer Laute?

Auch heute noch spielt der Großteil der Cellisten auf viersaitigen Instrumenten, darunter Truls Mørk, Jean-Guihen Queyras oder Steven Isserlis, wie zuvor schon Pablo Casals oder Pierre Fournier. Anner Bylsma war auf dem Barockcello der Pionier, auf einem fünfsaitigen Violoncello piccolo spielen heute Pieter Wispelwey und Matt Haimovitz. Sie alle sind in der Sendung zu hören.

Wenn das Cello am Hals hängt

Doch werden auch gänzlich andere Zugänge, etwa von Paolo Pandolfo auf der Gambe oder von Sergey Malov auf dem Violoncello da spalla diskutiert. Bei letzterem handelt es sich um ein kurioses kleines Cello, das sich der Spieler um den Hals hängt. Aber egal, ob auf vier, fünf, sechs oder sieben Saiten, ob gestrichen oder gezupft: die Sechste Suite gehört zu den wunderbaren Meisterwerken von Johann Sebastian Bach.

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