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Im Gespräch | Beitrag vom 14.11.2018

Die Sängerin Marlis PetersenEin Leben zwischen Oper und Olivenhain

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Die Opernsängerin Marlis Petersen bei einer Premiere im Wiener "Theater an der Wien"  (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)
Brilliert auf den Bühnen der Welt: die Sopranistin Marlis Petersen. (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)

Die Opernbühnen der Welt erobern und Oliven im eigenen Hain in Griechenland ernten: Zwischen diesen Polen spielt sich das Leben der Sopranistin Marlis Petersen ab. Sie liebt den Bühnenglamour ebenso wie die Natur.

Marlis Petersen gehört zu den bekanntesten Sopranistinnen unserer Zeit – aber sie ist keine abgehobene Diva. Das liegt vielleicht auch an ihrer schwäbischen Bodenständigkeit, die sie sich bis heute bewahrt hat. 1968 in Sindelfingen geboren, fand sie erst spät zur Klassik. Eine "Opern-Spätzünderin": Erst im Schulmusik-Studium in Stuttgart entdeckte sie die Opernwelt für sich.

Plötzlich war die Stimme weg

Allerdings machte ihr just dieses Studium anfangs das Singen ganz plötzlich schwer. "Da ging es erstmal den Berg runter, da war plötzlich die Stimme weg, die Natur weg, die Koloraturen weg, die Höhe weg. Weil plötzlich jemand da ist, der sagt, ‚Singen geht so und so‘, und man macht es dann nicht mehr aus Intuition und wie man’s spürt, sondern so: ‚Hier muss das sitzen, und der Mund muss auf sein, die Kehle auch und die Zunge flach` – alle diese Dinge. Man fängt an zu denken – und dann ist alles weg. Das waren für mich schlimme anderthalb Jahre, bis ich einem Korrepetitor begegnet bin, der mich wieder auf die Bahn gebracht hat."

Dieser Korrepetitor schickte sie in einen Kurs der Sängerin Sylvia Geszty: "Die Frau hat es geschafft, mich in zwei Wochen wieder voll einzurichten und mir noch ein Register obendrauf zu öffnen – das heißt, ich konnte dann sofort die Königin der Nacht singen."

Ihr erstes Engagement nach dem Studium führte sie an die Oper in Nürnberg. Heute brilliert Petersen auf den Bühnen der Welt, unter anderem mit anspruchsvollen Rollen wie Alban Bergs "Lulu" oder Aribert Reimanns "Medea".

Anders als ein Geiger, der zum Üben von morgens bis abends sein Instrument spielt, könne ein Sänger seiner Stimme nicht täglich stundenlange Strapazen zumuten:

"Schweigen wird immer wichtiger"

"Ich muss jetzt nach 25 Jahren Karriere eher schauen, dass ich Momente finde, wo ich wirklich einfach nicht singe. Schweigen wird immer wichtiger." Vor einem Konzert müsse sie als Sängerin sehr bewusst mit sich umgehen – Ruhe, Spazierengehen, frische Luft, das tue ihr  gut.  "Ich habe mir angewöhnt zu lauschen, was die Stimme heute braucht: Sing` ich mich schon morgens ein, wenn ich abends Konzert habe oder lasse ich den Morgen komplett zu meinem freien Raum werden und sing mich erst abends ein? Es ist wirklich sehr abhängig von dem Moment." Außerdem sei es wichtig, bis spätestens vier Stunden vor dem Auftritt gegessen zu haben: "Der Körper braucht Zeit zum Verdauen und wenn er das noch tut, während man singt - das möchten Sie nicht hören."

Wenn es ihr Tourneeplan erlaubt, zieht sich Petersen nach Griechenland zurück. Sie lebt in Athen und auf der Halbinsel Peleponnes, wo sie ihre eigenen Oliven anbaut und mit Begeisterung erntet. Ihre Naturverbundenheit zeigt sich auch in ihrer CD-Trilogie "Dimensionen", deren zweiter Teil "Anderswelt" gerade herausgekommen ist.

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