Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 23.08.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 13.07.2019

Die PartnervermittlerinAuf analogem Weg zum Date

Von Tobias Krone

Beitrag hören Podcast abonnieren
Illustration: ein Paar trinkt bei einem Date gemeinsam aus einem Glas.  (imago images / Science Photo Library)
Wer datet sich in Zeiten von "Tinder" und Co. noch über analoge Partnervermittler? (imago images / Science Photo Library)

Es gibt sie noch, trotz "Tinder" und "Parship": die Partnervermittler, die einem – ganz analog – bei der Suche nach der Traumfrau oder dem Traummann helfen. Ihr Versprechen: persönliche Beratung und Diskretion. Wer meldet sich bei ihnen an?

"So, Herr Krone, es freut mich sehr, dass Sie heute den Weg zu uns gefunden haben und sich heute bei uns vorstellen. Jetzt würde mich natürlich erstmal interessieren, was führt Sie denn genau zu uns?"

Christine Stegmann, schwarze Haare, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, offener Blick, sitzt mir gegenüber in einem schnörkellos eingerichteten Büro im Münchner Bahnhofsviertel. Kein Schild am Eingang verweist auf ihr Metier.

"Haben Sie auch gewisse – sag ich mal – Vorstellungen, was jetzt das Alter, die Figur, die Körpergröße Ihrer Partnerin anbelangt?"

Um Missverständnissen hier gleich mal vorzubeugen: Ich lebe seit Jahren in einer glücklichen Beziehung. Aber da Christine Stegmann ihr Geschäft mit äußerster Diskretion betreibt und niemanden aus ihrem Kundenkreis vor ein Radiomikrofon zerren will, muss ich eben selbst einmal in die Rolle des Suchenden schlüpfen – und ihr das Mikrofon überlassen.

Ein menschliches Gegenüber statt eines Bildschirms

Ich will wissen: Warum gehen in Zeiten von Online-Partnerbörsen wie "Tinder" und "Parship" auch heute noch Menschen zu einer Partnervermittlerin wie ihr? Erste Arbeitshypothese: Eine Partnervermittlerin ist ein menschliches Gegenüber.

"Ah, Sie trinken Bier mit den Damen?" – Und dieses Gegenüber legt beim Zuhören hin und wieder ihre Stirn in Falten, bei dem, wie ich mir so das erste Date vorstelle. Egal. Als ich später das Mikrofon wieder fest in der Hand habe, möchte ich von Christine Stegmann erst einmal wissen, wer eigentlich so zu ihr kommt.

"Alle. Es ist eine gute Frage. Generationen – von 25 bis 80 haben wir alles. Und jeder, der auf der Suche nach einem Partner ist, der wahrscheinlich, so würde ich es jetzt behaupten, online keinen Erfolg hatte und einfach merkt, dass online halt auch viel Betrug ist."

Porträt der Partnervermittlerin Christine Stegmann (Tobias Krone)Christine Stegmann betreibt eine Partnervermittlung. Sie selbst hat ihren Mann auf diesem Wege kennengelernt. (Tobias Krone) 
In den Online-Partnerbörsen überwiege nun einmal das Prinzip der sozialen Erwünschtheit.

"Bei Ausfüllen eines Fragebogens von einer sogenannten Dating-Website, ohne jetzt Namen zu nennen, kommen so Fragen auf wie: Trinken Sie? Rauchen Sie? – Die meisten werden diese Fragen mit Nein beantworten, auch wenn sie Raucher sind. Einfach, weil es dem Werbezwecke dient. Man möchte sich bestmöglich positionieren, dementsprechend drücke ich manchmal ein Auge bei gewissen Fragen zu. Und dann muss man sich natürlich gleichzeitig die Frage stellen: Kann so ein Computeralgorithmus hundertprozentig funktionieren? – Und dadurch, dass wir analog sind, persönlich die Daten aufnehmen, auch einen persönlichen Eindruck der Menschen generieren, können zumindest diese Fehler nicht passieren."

Reporter: "Also Sie gehen mit denen dann erstmal eine rauchen."

"Wir haben nur Nichtraucher."

In teilweise sehr hoch dotierten Positionen, aber auch mit nur sehr wenig Zeit. Vor allem deshalb kommen viele zu ihr.

Neue Rollenbilder in Beziehungen

Ein anderer Grund, es bei der Partnervermittlerin zu versuchen, ist der Zeitgeist. Nicht nur Mann, auch Frau macht Karriere – doch das Bild der romantischen Zweierbeziehung kommt da nicht hinterher.

"Momentan scheint sich das Blatt so ein bisschen zu wenden. Frau, sehr erfolgreich, wünscht sich einen Mann, ja, wie es einfach momentan tatsächlich auch in den Medien vorgelebt wird – und es ist tatsächlich ein Problem. Weil die moderne Frau sich verändert hat, wir sind in einer Emanzipation angelangt, die noch lange nicht ausgereift ist. Die Herren sind immer noch auf dem Stand wie vor – ja, ich würde sagen, wie vor 50 Jahren, so wie man früher vielleicht gedatet hat, und das ist doch einfach anders geworden."

Um also mehr Frauen zu einem jüngeren Partner zu verhelfen – so wie es Brigitte Macron oder Heidi Klum gerade vormachen – bedarf es einiger Überredungskunst gegenüber den Männern. Während Christine Stegmann in diesem Punkt mit einem modernen Frauenbild arbeitet, verläuft die Anbahnung dann – nach dem Matching – nach einem sehr konservativen Muster.

"Der Herr soll sich dann die nächsten Tage auch mit der Dame in Verbindung setzen und nicht andersherum. Das nimmt so ein bisschen auch diese Women Power auch wieder herunter, wo man auch wirklich das Gefühl hat: Ach ja, okay, der Mann bemüht sich wenigstens in dieser Form noch, in Kontakt mit mir zu treten."

Dating-Tipps von der Partnervermittlerin

Wer bei Christine Stegmann vorspricht, muss im Gegensatz zu den 20 Euro bis 60 Euro bei Online-Börsen, eine dreistellige Summe im Monat zahlen. Eine Erfolgsprämie verbietet das Gesetz.

Und schließlich muss man sich auch eine vermittelte Partnerschaft erst einmal erarbeiten, da ist sie illusionslos. Doch Liebe kann funktionieren. Christine Stegmann hat selbst ihren Mann vor mehreren Jahren über eine Partnerschaftsvermittlung kennengelernt – und heute mit ihm eine glückliche Familie. Und hat somit auch das Recht, dem Reporter mit der Vorliebe zum Bier zum Abschied noch diesen guten Dating-Tipp mitzugeben.

"Wenn Sie sich wirklich abends in einer Bar treffen, wäre es vielleicht ein bisschen – kultivierter, wenn Sie mit der Dame ein Gläschen Rotwein trinken."

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

Maren Kames: "Luna Luna"Hypnotischer Nachtgesang
Das Cover des Buches "Luna Luna" von Maren Kames (Secession Verlag / Deutschlandradio)

Den Zweitling der Schriftstellerin Maren Kames schlicht als Buch zu bezeichnen, wird ihm nicht ganz gerecht. Die lyrische Mondfantasie "Luna Luna" ist ein poetisch-musikalisches Gesamtkunstwerk: rasant, assoziativ und mit ganz viel Pop.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur