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Interpretationen | Beitrag vom 14.04.2019

"Die letzten Leiden des Erlösers" von Carl Philipp Emanuel BachHerz in Bewegung

Gast: Hartmut Haenchen, Dirigent; Moderation: Beatrice Schwartner

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Der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) (picture-alliance / dpa)
Mehr als nur "der Sohn": Zeitgenössisches Porträt des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) (picture-alliance / dpa)

Eine Passion von Bach – ausnahmsweise einmal nicht von Johann Sebastian, sondern von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Die Passionskantate "Die letzten Leiden des Erlösers" im Gespräch mit dem Dirigenten Hartmut Haenchen, der sich jahrzehntelang mit dem Bach-Sohn beschäftigt hat.

Ehe im Lauf des 19. Jahrhunderts Johann Sebastian Bach vor allem über seine Matthäus-Passion wiederentdeckt wurde, galt sein Sohn Carl Philipp Emanuel als "der große Bach". Dann verschob sich das Urteil der Nachwelt so sehr zugunsten des Vaters, dass die Musik nicht nur seiner Söhne, sondern überhaupt der ganzen Bach-Familie zusehends ins Hintertreffen geriet. Eine durchgreifende Änderung hat der Dirigent Hartmut Haenchen erst 1988 festgestellt, als in der Musikwelt an den 200. Todestag des Komponisten erinnert wurde.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Die Vergangenheit in die Gegenwart bringen

Hartmut Haenchen leitete zu dieser Zeit bereits seit acht Jahren das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, das mit der Staatsoper Berlin verbunden und zu einem Refugium für den politisch in Ungnade gefallenen Dirigenten geworden war. Aber eben auch ein Forum, um alte Musik wiederzuentdecken – auf modernen Instrumenten, doch in genauer Kenntnis der historischen Aufführungspraxis.

Der Dirigent Hartmut Haenchen erhält den Richard-Wagner-Preis 2018. (dpa / Riccardo Musacchio)Mit dem Werk von Carl Philipp Emanuel Bach seit langem vertraut: Der Dirigent Hartmut Haenchen. (dpa / Riccardo Musacchio)

Abschied von monumentaler Tragik

Die Passionskantate "Die letzten Leiden des Erlösers" schrieb Carl Philipp Emanuel Bach in seinen ersten Jahren als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum Hamburg. Dorthin war er 1768 als Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann berufen worden. Die Aufgabe, Kantaten und Oratorien gleichsam in Serie zu liefern, kannte er schon von seinem Vater, aber die musikalischen Zeiten hatten sich geändert: Die monumentale Tragik, die Johann Sebastian Bachs Passionen innewohnt, weicht in diesem Werk seines Sohnes der Betonung des Gefühls – es geht darum, das Herz des Gläubigen "in Bewegung" zu setzen.

Bach junior tat das 1770 an einem Ort, den man heute als "sozialen Brennpunkt" bezeichnen würde – in der Kirche des "Zucht- und Spinnhauses" Hamburg, das als Mischung aus Gefängnis und Armenhaus das Werk bis 1785 alljährlich aufs Programm setzte.

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