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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.12.2016

Die letzte Utopie?"Der Feminismus hat sich in Nebenprobleme verstrickt"

Elisabeth Raether im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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"Feminism" steht während einer Demonstration zum internationalen Weltfrauentag am 08.03.2015 in Berlin auf einer kleinen Fahne. (imago / Markus Heine)
Mehr "Wir" und weniger "Ich-Selbstverwirklichung" fordert Elisabeth Raether vom Feminismus (imago / Markus Heine)

Der Feminismus hat nach wie vor utopische Elemente - erst recht in einer Zeit, in der liberale Ideen viel Gegenwind von Rechts bekommen, meint die Autorin Elisabeth Raether. Aber auch Feministinnen haben ihrer Ansicht nach nicht alles richtig gemacht.

Eigentlich bedeutet Feminismus die Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau. So schlicht sich das anhört, sei es doch nicht leicht zu verwirklichen, sagte die Autorin Elisabeth Raether: "Ich glaube nicht, dass er die letzte Utopie ist, aber er hat auf jeden Fall utopische Elemente."

Im Deutschlandradio Kultur beklagte die "ZEIT"-Autorin, liberale Ideen seien nicht mehr selbstverständlich und würden damit "utopisch aufgeladen".

"Und jetzt stehen wir plötzlich vor einer Situation, wo die liberalen Grundlagen in Frage gestellt sind. Und ich frage mich natürlich schon: was passiert gerade mit den Frauen? Wo sind die? Warum gibt es hier nicht mehr Widerstand gegen die Entwicklungen, gegen die Rechtspopulisten, mal ganz konkret gesagt?"

Runter von der übermoralisierten Position

Raether beobachtet, dass der Feminismus inzwischen ein starkes Pop-Element bekommen und sich ein bisschen auf "Ich-Selbstverwirklichung" zurückgezogen habe - mit Fragen wie: das richtige Tattoo, Körperbehaarung ja oder nein, oder die richtige Musik. Damit habe er sich ein bisschen in Nebenprobleme verstrickt, bedauert sie - und rät:

"Ich glaube, man könnte versuchen, nicht so sehr es als moralische Frage zu sehen, also so ein bisschen dieses Belehrende rausnehmen, welche Ausdrücke man jetzt wieder wie falsch verwendet hat (…). Ich finde, man könnte den Ausdruck 'der alte weiße Mann' ablegen, der hat etwas sehr Verächtliches. Also, man könnte so ein bisschen von dieser übermoralisierten, hyperindividualisierten Position runterkommen und sich fragen: was kann ich für meine Gesellschaft tun? Was kann ich für die anderen tun?"

Ausschnitt aus "Paradies" (Bild: Imago)Ausschnitt aus "Paradies" (Bild: Imago)Was ist aus den Utopien und Visionen von Thomas Morus geworden? Der Schwerpunkt "Zukunft denken. 500 Jahre 'Utopia'" in Deutschlandradio Kultur sucht nach Antworten vom 18. bis 27. Dezember. Die Übersicht der Themen und alle bereits gesendeten Beiträge gibt es hier zu lesen und zu hören: Utopien in Politik, Gesellschaft und Kunst − Welche anderen Welten sind möglich?

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