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Lange Nacht / Archiv | Beitrag vom 18.06.2016

Die Lange Nacht des Don JuanWüstling, Verführer und Sinnsucher

Von Cornelia Staudacher

Adrian Strooper als Don Ottavio und Erika Roos als Donna Anna in "Don Giovanni" in der Komischen Oper in Berlin. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Adrian Strooper als Don Ottavio und Erika Roos als Donna Anna in "Don Giovanni" in der Komischen Oper in Berlin. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Don Juan ist als Urbild des skrupellosen Verführers, furchtlosen Atheisten und rebellischen Anarchisten in die europäische Kulturgeschichte eingegangen und unzählige Male literarisch, musikalisch und bildnerisch gestaltet worden.

Tirso de Molina schrieb 1624 mit "Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast" eines der ersten überlieferten Stücke, gefolgt von Molières Komödie "Dom Juan", die 1665 in Paris uraufgeführt wurde. Über Italien und die Commedia dell’arte gelangte der Stoff nach Wien, wo Lorenzo da Ponte binnen weniger Wochen das Libretto für eine der meistgespielten Opern der Welt schrieb: Mozarts Dramma giocoso "Der bestrafte Wüstling oder Don Juan".

"Die Oper aller Opern" (E.T.A. Hoffmann) wurde 1787 in Prag uraufgeführt. Unter dem Titel "Don Giovanni" trägt sie bis heute wesentlich zum Erhalt des Mythos des Don Juan bei. Im 19. und 20. Jahrhundert erfährt der Stoff, ausgehend von Sören Kierkegaards Ausführungen zur "Genialität des Sinnlichen" bei Mozart, durch Einflüsse aus Philosophie, Psychologie und gesellschaftlicher Entwicklungen markante Veränderungen. Don Juan wird zum Getriebenen und Sinnsuchenden. Eine 'Lange Nacht' über den zynischen Melancholiker, der "im Fliehen sein Element fand" (P. Handke).

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