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Sein und Streit | Beitrag vom 03.06.2018

Die Künstliche Intelligenz SophiaLässt sich Liebe programmieren?

Tatjana Noemi Tömmel im Gespräch mit Christian Möller

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Der Roboter Sophia wird von Entwickler David Hanson (Hanson Robotics) auf dem Moskauer Forum "Open Innovations 2017" vorgestellt. (Ramil Sitdikov / Sputnik / dpa )
Kann Sophia bald wirklich große Emotionen zeigen? (Ramil Sitdikov / Sputnik / dpa )

KI Sophia soll bald bedingungslos lieben können. Als Liebescoach werde sie einen wichtigen Beitrag für Glück und Frieden auf der Welt leisten, glauben ihre Entwickler. Ist dies wirklich möglich und erstrebenswert? - fragen wir Philosophin Tatjana Noemi Tömmel.

Die Künstliche Intelligenz Sophia sieht Audrey Hepburn verblüffend ähnlich und beherrscht sogar ihr Lächeln. Mit ihren Kamera-Augen kann sie Wut, Freude, Trauer und andere wichtige Gefühle interpretieren und sie selbst sogar mimisch ausdrücken. Auch Meditationen leitet sie schon an. Geht es nach ihren Entwicklern, wird sie bald aber noch viel mehr können: Sophia soll die bedingungslose Liebe lernen und lehren, zu einer perfekt programmierten Kreuzung aus virtueller Übermutter und digitalem Therapeuten werden.


 

"Ich halte die Vorstellung für bizarr und unheimlich", sagt die Berliner Philosophin Tatjana Noemi Tömmel dazu. "Ich halte sie aber nicht für abstrus. Ich denke, sie wird möglich sein".

Ist Sophia vergleichbar mit einer digitalen Sexarbeiterin?

Noch aber hat Sophia kein Bewusstsein – sie weiß von ihrer eigenen Existenz nichts. Tömmel vergleicht sie deshalb mit einer digitalen Sexarbeiterin, die darauf programmiert ist, eine liebende Haltung einzunehmen, "wie beispielsweise eine Prostituierte, die dafür bezahlt wird, mir bestimmte Gefühle vorzuspiegeln und das eventuell sehr gut kann".

Sollte Sophia die Liebe bald perfekt imitieren, fällt die Künstlichkeit dieser Liebe dann überhaupt noch ins Gewicht? "Vielleicht reicht manchen Menschen die Illusion geliebt zu werden, mir würde es nicht reichen. Ich möchte, dass da ein Mensch ist, der sich diesem Risiko, das darin liegt zu sagen, ich liebe dich, bewusst aussetzt. Und man zusammen den Sprung ins kalte Wasser wagt".

"Was wir lieben, halten wir für sehr wertvoll"

Für die Liebe, da ist sich Tömmel sicher, ist nämlich der eigene Wille mindestens genauso wichtig wie die großen Gefühle: Was wir lieben, halten wir für sehr wertvoll. Und verteidigen das Wohl des anderen bewusst unabhängig von unserem eigenen.

Was aber, wenn Sophia künftig tatsächlich ein Selbst-Bewusstsein besitzen wird, besteht dann immer noch ein Unterschied zwischen ihrer Liebe und der eines echten Menschen? Ist es möglich, ohne Körper zu lieben. Ist bedingungslose Liebe überhaupt wünschenswert und wie ist Sophia politisch zu bewerten?

Tatjana Noemi Tömmel: "Wille und Passion. Der Liebesbegriff bei Heidegger und Arendt", Suhrkamp,  364 Seiten, 18 Euro

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