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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2008

Die Kehrseite von E-Mail und Internet

Wissenschaftler beklagt Mangel an Aufmerksamkeit

Moderation: Katrin Heise

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E-Mails können auch zur Plage werden. (Stock.XCHNG / Artur Bednarski)
E-Mails können auch zur Plage werden. (Stock.XCHNG / Artur Bednarski)

Nach Ansicht von Reinhard Oppermann wird unser Arbeitsalltag zunehmend durch moderne Kommunikationsmittel zerstückelt. Es herrsche kein Mangel an Information und Kommunikation, sondern an Aufmerksamkeit, sagte der Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik.

Katrin Heise: Die einen messen ihre Wichtigkeit daran, für die anderen ist sie einfach nur lästig, die Flut der E-Mails. Fakt ist allerdings, moderne Kommunikation verändert unseren Arbeitsalltag, wir sind jederzeit für jedermann und jede Information erreichbar. Und wir sind auch noch gezwungen zu reagieren. Das beschleunigt natürlich Arbeitsgänge einerseits, andererseits werden wir dauernd aus unseren Abläufen herausgerissen und können uns kaum noch konzentrieren auf das, was wir eigentlich tun wollten und sollten. Wie kommen wir raus aus dem Dilemma? Reinhard Oppermann ist Forschungsleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Herr Oppermann, wie viele E-Mails bekommen Sie denn so?

Reinhard Oppermann: Wenn ich nichts tue pro Tag etwa 1000. Wenn ich den Spamfilter eingeschaltet und gut trainiert habe, vielleicht noch 100. Wenn ich sortiere und Wichtiges von Unwichtigem unterscheide, vielleicht noch 50 bis 60, die wirklich Aufmerksamkeit erfordern.

Heise: Wie lange brauchen Sie am Tag dafür?

Oppermann: Das hängt natürlich von der Form meiner Kommunikationspartner und von mir selbst ab. Aber Mails beanspruchen schon ein bis zwei Stunden.

Heise: Interessiert sich die Forschung eigentlich dafür, wie sehr sich unser Arbeitsalltag durch moderne Kommunikationsmittel verändert und vielleicht auch zerstückelt hat?

Oppermann: Sie interessiert sich schon dafür, aber meiner Ansicht nach viel zu wenig, zu wenig im Hinblick auf soziale Vorkehrungen bei dem Verhalten mit dem neuen Medium, auch etwas mit technischen Lösungen. Aber meiner Ansicht nach sind die technischen Lösungen nicht das Entscheidende, wie wir mit diesem Medium umgehen.

Heise: Und wie kann man das messen, wie wir mit diesem Medium umgehen? Wie misst man Aufmerksamkeit und Zerstreuung?

Oppermann: Aufmerksamkeit ist das richtige Stichwort. Wir haben ja keinen Mangel mehr an Information und Kommunikation. Wir haben einen Mangel an Aufmerksamkeit. Wir haben einen Mangel an der Möglichkeit, mit dieser Information umzugehen. Das Internet als Thema, E-Mails als Dienstinhalt des Internets als Thema, da geht es darum, Vorkehrungen zu treffen, dass uns das das nicht überflutet und dass wir aus der Zerstückelung von Arbeit, was uns ja ein Stück weit entgegenkommt, Zerstreuungskultur ist ja ein Stichwort, was zeigt, das uns das als Menschen durchaus genehm ist, wenn wir abgelenkt werden von Fronarbeit und springen können von einem Informationsthema zum anderen. Und insofern kommt uns das auch entgegen und wird uns nicht nur durch Technik aufgezwungen, aber genau das ist auch das Dilemma.

Das gesamte Gespräch mit Reinhard Oppermann können Sie bis zum 3.7.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio

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