Die Johnsons, Erzähler und Musikmöbel

Von Natascha Pflaumbaum |
Die Euphorie um den neuen US-Präsidenten Barack Obama ist längst verflogen. Doch nun ist die Lebensgeschichte des Afroamerikaners als Musical zu sehen - in "Hope", das in der Frankfurter Jahrhunderthalle Uraufführung hatte.
"Yes, we can", das Mantra der "Obama-Story": Barack Obamas Aufstieg vom politischen No-Name zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA. Darum geht es in "Hope" von Randall Hutchins.

Klassische Heldenreise also: Einer, dem man nichts zutraut, emanzipiert sich, bewältigt unüberwindbar scheinende Grenzen und erreicht natürlich am Ende das Unerreichbare. Ja, Obamas Biografie: eigentlich wie gemacht für ein Musical!

Und so werden auf der nicht eben großen Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle die wichtigsten Stationen aus Obamas Leben durchgearbeitet: vor dreiteiliger Fototapete, mal auf gelben mal auf schwarzen Ledersofas das erste Rendezvous mit Michelle, Obamas Wahlkampf, der Kampf gegen McCain, der Tod von Obamas Großmutter, Obamas Verbrüderung mit Hilary Clinton, am Ende der Wahlsieg.

Und das war's auch schon. Und weil das nicht reicht für einen langen Musical-Abend ziehen die "Hope"-Macher noch ein paar andere Tricks aus dem Hut: die Familie Johnson aus Chicago, den Erzähler und das Musikmöbel.

Die Johnsons braucht man, damit der Zuschauer das alles besser nachleben kann. Neben Barack Obama, der erst recht spät in dieser Show auf die Bühne tritt, um doch sehr anständig von seinem Leben zu singen, sind diese Johnsons die Rettung für die Show, denn sie sind wirklich ganz lustig, wenn sie nicht gerade aus historischen Gründen weinen müssen, weil ihnen im Irakkrieg ein naher Verwandter ermordet wurde.

Die Johnsons kommen schnell darüber hinweg und machen Sachen, die absolut gut in ein Musical passen: Sie tanzen und singen und kennen Leute, die auch tanzen und singen: Breakdancer, Hiphopper, sogar ein Beatboxer ist dabei. Gar nicht so schlecht.
Weil die Johnsons nicht so unvermittelt vom amerikanischen Himmel in die europäischen Köpfe der Zuschauer fallen sollen, gibt es einen Deutsch sprechenden Erzähler namens Michael, der nach deutscher Manier das Bühnengeschehen etwas zu altklug erklärt – damit auch die, die den amerikanischen Gesprächen und Liedern der Johnsons und der Obamas nicht so folgen können, ja nicht den Faden verlieren.

Der Erzähler Michael - Patrick Gräser, bekannt aus der Fernsehserie "Unser Charlie", ist allerdings sehr geschwätzig. Kaum ist die Story musikalisch mal ein bisschen in Gang gekommen, also kaum haben die Johnsons mal so richtig losgelegt, beginnt Gräser einen seiner unzähligen pastoralen Monologe. Schon zu Beginn des Abends bremst er so alle aus.

Für den Fall haben sich die "Hope"-Macher das Musikmöbel ausgedacht. Wenn auf der Bühne gerade einmal die Ledersofas umgebaut werden, die Fotografen und Kamerateams an der Rampe mal wieder die Sicht versperren oder der Kamerakranarm zum 20. Mal in 10 Minuten in Haaresbreite über dem eigenen Kopf hinwegsegelt, wenn man also guten Grundes vom Bühnengeschehen abgelenkt ist, dann muss das Publikum ran.

Das sitzt zum Teil auf besonderen weißen Stühlen, die Cajons nachempfunden sind: also auf Kistentrommeln, auf der man Bass- und Snareklänge schlagen kann. Da nicht alle auf Kistentrommeln sitzen können, dürfen die anderen Krach machen mit einem eigroßen Shaker.

Interaktives Musical nennen die "Hope"-Macher das. Ihre Erfindung.

So vergehen recht schleppend dreieinhalb Stunden, die man locker straffen könnte: weniger Texte, weniger Rumstehen, schneller auf die Bühnen kommen und wieder abgehen, weniger Fototapete, weniger gelbe und schwarze Sofas hin und herschieben: dafür nur die Lieder.

Einfach nur die Lieder und ein bisschen Trommeln mit dem Publikum. Ein richtiges Orchester wäre für den Eintrittskartenpreis (von 42 bis 151 Euro) auch nett oder eine Band mit mehr als drei Leuten. Das reicht schon, wäre allerdings kein Musical, und mit Obama hätte das auch nichts zu tun ...