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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 22.10.2012

Die Hacker von Anonymous

Für Assange und gegen schwedische Websites

Von Alexander Budde

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Die Guy-Fawkes-Maske wird typischerweise von Aktivisten des internationalen Netzwerks "Anonymous" getragen. (AP)
Die Guy-Fawkes-Maske wird typischerweise von Aktivisten des internationalen Netzwerks "Anonymous" getragen. (AP)

Sie haben die Web-Seiten von Visa und Scientology lahmgelegt, sie haben die CIA, mexikanische Drogenkartelle und den Vatikan attackiert. Aus einer kleinen Gruppe pubertärer Hacker-Jungs, anfangs noch als Spinner im Netz belächelt, ist ein gefürchtetes Netzwerk namens Anonymous geworden.

Finstere Drohungen werden über den Internet-Videodienst Youtube verbreitet. Die Stimme hinter der Guy Fawkes-Maske spricht von einem Rachefeldzug.

Wiederholt ist Schwedens Polizei gegen Internetfirmen vorgegangen, die die technische Infrastruktur für Internet-Tauschbörsen zur Verfügung stellen. Unlängst traf es wieder einmal den Webhoster PRQ. Dieser stellt die Server für Plattformen zum Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten mit der sogenannten BitTorrent-Technik bereit. Legendär war die Schlacht um den BitTorrent-Tracker "The Pirate Bay", lange Zeit Kunde von PRQ. Die eng mit PRQ verbandelten Betreiber wurden zu Haftstrafen und Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt.

Anonymous ist eine lose, sich stets wandelnde Aktivistengruppierung. Doch Christoffer Kullenberg, Netzaktivist und Forscher an der Uni Göteborg, glaubt einige der Urheber des jüngsten Cyberaufstands zu kennen.

"Dahinter steckt meines Wissens eine sehr kleine Fraktion, die wenig Rückhalt im harten Kern des Kollektivs hat. Es scheinen sehr junge Schweden zu sein. Englisch ist eigentliche die operative Sprache, aber hier wird schnell ins Schwedische gewechselt - und man unterhält sich auch gern über das, was man in der Schule so erlebt."

Geschätzte zwei Millionen Schweden surfen regelmäßig im Internet, um sich Filme, Musiktitel und Computerspiele herunterzuladen - kaum jemand bezahlt dafür. Und die Generation Internet - so scheint es - macht sich auf, ihre Pixelwelt auch hier auf Erden zu verteidigen.

"Die Motive sind sehr komplex. Es gibt einen grundlegenden Reflex, sich für empfundenes Unrecht zu rächen und für bedrängte Akteure wie den Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, oder den Webhoster PRQ einzustehen. Dahinter steht der Gedanke, dass Anonymous radikal die Freiheit des Internets verteidigt. Und da nutzt man eben Methoden, die selbst nicht gerade demokratisch sind."

Der Spaßfaktor dürfte kaum zu überschätzen sein, vermutet Anders Ahlqvist. Der IT-Experte bei der nationalen Polizeibehörde macht sich wenig Hoffnung, jemals einen Täter greifen zu können.

"Es bedarf nicht des Intellekts eines Atomphysikers, um einen Überlastungsangriff zu lancieren. Wir sammeln Informationen. Denn viel interessanter sind die wenigen zentralen Figuren, die die nötige Infrastruktur bereitstellen. Die sind mit ihren ausgefeilten Codes in der Lage, vielleicht eine Million Computer überall auf der Welt zu infizieren."

In den meisten Fällen waren die Techniker in der Lage, die Server nach einigen Minuten wieder hochzufahren. Ulf Bergström ist Sprecher der europäischen Behörde für Cybersicherheit:

"Es geht im Grunde ums Vertrauen in Banken und Behörden. Und deshalb geht es, wenn wir über den Schaden sprechen, auch um die Kosten, die unserer Gesellschaft entstehen."

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