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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.03.2008

"Die Gustloff" als Quotenbringer

Tutzinger Medientage thematisieren Geschichtsvermittlung im Fernsehen

Moderation: Dieter Kassel

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Das Kreuzfahrtschiff "Wilhelm Gustloff" liegt 1930 vor Anker.  (AP Archiv)
Das Kreuzfahrtschiff "Wilhelm Gustloff" liegt 1930 vor Anker. (AP Archiv)

Der Zweiteiler "Die Gustloff" im ZDF schlug mit jeweils fast acht Millionen Zuschauern sogar den "Tatort" und "Wer wird Millionär". Bei einer Tagung in Tutzing wurde unter anderem kritisiert, dass kein Geschichtsfilm mehr ohne Liebesgeschichte auskomme.

Ähnlich erfolgreich waren Produktionen wie "Die Flucht", "Dresden" oder "Das Wunder von Berlin" beim Zuschauer. Die Tagung "Fernsehen macht Geschichte" der Evangelischen Medienakademie in Tutzing fragte, ob der Erfolg dieser Filme tatsächlich alle Mittel rechtfertige, um historische Ereignisse möglichst populär zu vermitteln. Deutschlandradio Kultur sprach darüber mit Volker Lilienthal, verantwortlicher Redakteur des Fachdienstes epd-Medien und Teilnehmer der Konferenz.

Seiner Meinung nach befänden sich die Macher historischer Filme mit dem Spagat zwischen populärer Darstellung und Authentizität des dargestellten historischen Stoffes in einer Art Dilemma. Alternative Lösungen wie zuerst einen Spielfilm und danach eine Dokumentation des Ereignisses zu zeigen, oder auch das sogenannte Reenactment, das szenische Nachspielen historischer Ereignisse in Dokumentarfilmen, seien nicht immer die Lösung. Allerdings würden deutsche Geschichtsfilme zu Themen wie Zweiter Weltkrieg, RAF und Wiedervereinigung auf dem globalisierten Filmmarkt inzwischen gut nachgefragt.

Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Gespräch:

Kassel: Es gab in dem Film "Gustloff" einen Funker, gespielt von Detlev Buck, keine historische Figur, und Liebesgeschichten, die ja oft im Vordergrund stehen bei diesen historischen Fernsehevents – gab es daran Kritik?

Lilienthal: Doch, einige der hier versammelten Fernsehkritiker haben das Spekulative im modernen Geschichtsevent im Fernsehen in Zweifel gezogen, also der Trend, dass etwas hinzuerfunden wird, um die Geschichte zuzuspitzen. Dass kein Eventfilm heute mehr ohne Liebesgeschichte auskommt, das wurde stark kritisiert. Die Fernsehmacher haben sich aber damit verteidigt, wenn wir vier Millionen Euro für einen Film wie "Das Wunder von Berlin" ausgeben, dann brauchen wir für die 105 Minuten auch mindestens acht Millionen Zuschauer, damit sich das Ganze rentiert und vor den Rundfunkgebührenzahlern rechtfertigen lässt. (…) Denen sprang ein Historiker zu Hilfe, Rainer Wirtz, Professor an der Universität Konstanz, der sagte: Natürlich hat das Fernsehen alles Recht historische Stoffe medienadäquat darzustellen, ein Fernsehfilm ist kein historischer Bericht. Aber er hat den Fernsehmachern auch mit auf den Weg gegeben, sie sollten nicht in die Authentizitätsfalle tappen und nicht so tun, als sei der unterhaltende Fernsehfilm wirklich die historische Wahrheit. Diesem Trugschluss sollte man nicht aufsitzen.


Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 4.8.08 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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