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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 27.04.2014

"Die Erfindung der Liebe"Szenen, die es nicht hätte geben sollen

Nach dem Tod der Hauptdarstellerin musste es eine Rahmenhandlung geben

Von Anke Leweke

Während der Dreharbeiten verstorben: Die Schauspielerin Maria Kwiatkowsky. (Deutschlandradio / Sandro Most  )
Während der Dreharbeiten verstorben: Die Schauspielerin Maria Kwiatkowsky. (Deutschlandradio / Sandro Most )

Die Hauptdarstellerin ist tot, das ist die Realität für "Die Erfindung der Liebe". Was dann passiert, lässt die Grenzen von Erzählung und Realität verschwimmen: Es gibt eine Rahmenhandlung, die den Zuschauer mit auf eine Reise zwischen die Welten nimmt.

"Wie geht es? Danke. Es geht. Eine Schauspielerin kann man nicht ersetzen, das klingt nach Rauch."

Eine Beerdigung. Die Kamera gleitet entlang der Trauergäste, am Grab steht ein gemaltes Porträt. So beginnt "Die Erfindung der Liebe" von Lola Randl. Eine Szene, die es so nicht hätte geben sollen. Aber nach dem Tod von Maria Kwiatkowsky hat Lola Randl eine Rahmenhandlung hinzugefügt.

"Du musst die Geschichte umschreiben, sonst bin ich geliefert. Wir haben schon die Hälfte der Szenen gedreht."

Ein fiktiver Drehbuchautor und die Regisseurin versuchen, den Film zu retten. Die Hauptdarstellerin ist tot – dann muss die Praktikantin die Rolle übernehmen.

"Jetzt spielt halt diese Praktikantin. Ist ja wurscht, Schauspieler kann jeder werden. Jeder von der Strasse. Ich sage jetzt nicht, dass unsere Praktikantin von der Strasse kommt. Doch kommt sie. Ohne Ausbildung. Ohne Erfahrung."

Durch die neugeschriebenen Szenen, durch die Film- im Filmhandlung, gibt "Die Erfindung der Liebe" dem Zuschauer die Möglichkeit, sich auf einem Drehset umzuschauen. Die Sorgen und Nöte einer Regisseurin kennenzulernen, das narzisstische Gebaren der Darsteller aus nächster Nähe zu beobachten.

Das Kluge an diesem Film ist, wie Realität und Fiktion sich spiegeln, die verschiedenen Handlungsebenen immer mehr verschwimmen, und damit wären wir beim Titel. In der ursprünglichen Geschichte geht es um das Liebespaar Emily und Daniel, die das Erbe der steinreichen Amine von Kirsch erschleichen wollen. Daniel soll das Herz der einsamen Lady erobern, doch so ganz klappt das nicht. Er verliebt sich in Amine.

"Willst Du mich heiraten, Amine?"

Und auch jenseits dieser Kernhandlung machen sich die Liebe und andere Gefühle selbstständig, entwickeln die Figuren ein Eigenleben, das keiner mehr kontrollieren kann. Plötzlich entdeckt die Praktikantin, die jetzt Emily spielt, dass sie wirklich etwas für den Darsteller des Daniels empfindet. Das hört sich alles komplizierter an, als es sich anschaut. "Die Erfindung der Liebe" zeigt, dass sich die Liebe, wenn sie sich neu erfinden will, ihre eigenen Erzählungen schaffen muss.

 

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