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Vollbild | Beitrag vom 03.01.2015

"Die Erbschaft" auf DVDEin Sittengemälde mit Starbesetzung

Von Noemi Schneider

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Die Schauspieler der dänischen Serie "Die Erbschaft" posieren für ein Foto. (AFP PHOTO / SCANPIX DENMARK / JENS NORGAARD LARSEN)
Die Schauspieler der dänischen Serie "Die Erbschaft" posieren für ein Foto: Die erste Staffel der Serie erscheint in Deutschland am 8. Januar 2015. (AFP PHOTO / SCANPIX DENMARK / JENS NORGAARD LARSEN)

Seit "Borgen" und "Kommissarin Lund" stehen dänische Serien hoch im Kurs. Der neueste Serien-Coup aus Dänemark heißt "Die Erbschaft", kommt ohne Politik und Leichen aus und erscheint nun auf DVD. Sie reflektiert Fluch und Segen schwieriger Familienverhältnisse.

"Veronika Grønnegaard ist tot. 40 Jahre lang war sie eine der einflussreichsten und umstrittensten Künstlerinnen Dänemarks. Veronika Grønnegaard wurde 68 Jahre alt und hinterlässt drei erwachsene Kinder."

Kurz vor ihrem Tod nimmt Veronika Grønnegaard allerdings Kontakt zu ihrem vierten Kind, ihrer jüngsten Tochter Signe auf, die bei ihrem leiblichen Vater John und dessen Frau Lise aufgewachsen ist. Signe arbeitet als Floristin und ahnt nicht, dass es sich bei der exzentrischen Künstlerin, die plötzlich im Blumenladen auftaucht, um ihre leibliche Mutter handelt.

In einem Brief vermacht Veronika ihrer jüngsten Tochter das jahrhundertealte und mehrere Millionen schwere Anwesen Grønnegaard,  die Erbschaft, für die Signes "drei offizielle" Geschwister bereits Pläne haben.

Die erfolgreiche Kunstmanagerin Gro möchte eine Stiftung gründen und ein Museum mit den Werken ihrer Mutter aus dem Anwesen machen. Der Familienvater Frederik, der seit dem Selbstmord seines Vaters keinen Fuß mehr auf das Anwesen gesetzt hat, will endlich was ihm zusteht. Und der Weltenbummler Emil rechnet fest mit dem nötigen Kleingeld um sein Bauprojekt in Thailand zu finanzieren.

Die Erbverhältnisse sind plötzlich völlig unklar

Bei der Beerdigung, versucht vor allem Gro Haltung zu bewahren, selbst als sie auf die ahnungslose Ehefrau ihres Liebhabers Robert, trifft:

"Gro! Ich hab letztes Jahr meinen Vater verloren."
"Ach ja?"
"Ja. Ich konnte gar nichts machen. Ohne Robert hätte ich's nicht geschafft."
"Du bist ja mit allem alleine gewesen. Du bist genau wie deine Mutter, so stark und so unabhängig."

Mit dem Auftauchen der verlorenen Schwester und des Nottestaments der Mutter sind die Grønnegaardschen Erbverhältnisse plötzlich völlig unklar. Während Signe mehr über ihre eigene Vergangenheit erfahren will und sich über die "neuen Geschwister" freut, liegen die bereits auf der Lauer. In einem Wohnwagen auf dem weitläufigen Anwesen lebt auch noch Veronikas erster Ehemann Thomas, Gros Vater, ein Avant-Garde Musiker, der den Joint nie aus der Hand legt und als, aus der Zeit gefallenes 68er Relikt, durch Haus und Hof geistert.

Lügen, Geheimnisse und Verletzungen

Die ungleichen Geschwister müssen sich alle mit der Vergangenheit auseinandersetzen, denn Veronikas unkonventionelles und exzentrisches Leben voll freier Liebe, Aktions-Kunst und Selbstverwirklichung hat Spuren hinterlassen. Lügen, Geheimnisse und Verletzungen drängen an die Oberfläche.

Signe, die in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, erscheinen die kunterbunten und anarchischen Familienverhältnisse auf den ersten Blick dagegen geradezu paradiesisch.

Vordergründig geht es natürlich um die titelgebende Erbschaft, doch dahinter verbirgt sich ein sehr vielschichtiges, genau beobachtetes, generationenübergreifendes Sittengemälde mit Starbesetzung das über Fluch und Segen von schwierigen Familienverhältnissen reflektiert. Unter anderen brillieren Trine Dyrholm, Jesper Christensen und Marie Bach Hansen in den Hauptrollen.

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(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 21.02.2013)

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