Die DVDs des Jahres 2008

Von Hartwig Tegeler |
Das Licht glitzert auf der Wasseroberfläche, von unten gesehen schweben die riesen Körper der Haie wie in einem Ballet durchs Wasser. Kraftvoll. Energiegeladen. Rob Stewarts "Sharkwaters" zählt zu den herausragenden Dokumentarfilmen des Jahres 2008.
Eines der schönsten Filmbilder auf einer neuen DVD in diesem Jahr: eine Unterwasseraufnahme. Die Kamera schaut von unten, vom Meeresboden hinauf zur Oberfläche, wo sich Dutzende von Hammerhaien tummeln. Das Licht glitzert auf der Oberfläche des Wassers - wie gesagt, von unten gesehen - , die riesigen schwarzen Körper der Tiere schweben wie in einem Ballet durchs Wasser. Kraftvoll. Energiegeladen. Rob Stewart, kanadischer Dokumentarfilmer, versucht, in "Sharkwaters" mit Vorurteilen über den Hai, der gnadenlos ausgerottet wird, aufzuräumen.

"Wenn du dann irgendwann unter Wasser bist und siehst, wovor du dich so gefürchtet hast, und siehst, wie perfekt und vollendet er ist, und dass er dich nicht verletzen will, dass er das Allerschönste ist, was du je gesehen hast, dann verändert das deine gesamte Welt."

Der Tierschutzaspekt ist bei "Sharkwaters" das Eine, diese wunderschönen Unterwasserbilder von einer faszinierenden und den meisten sicher immer noch unheimlichen Spezies das Andere. "Sharkwaters" ist eine sehr schöne DVD.

"American Gangster" von Ridley Scott beginnt mit einem brutalen Bild. Denzel Washington als Gangsterchef aus dem Harlem der 1960er und 70er Jahre übergießt einen Gegner mit Benzin, zündet sich eine Zigarre an und wirft das Feuerzeug auf den Mann, um ihm dann mehrere Kugeln in den Leib zu jagen. Jegliche Mystifizierung des Gangsters konterkariert Ridley Scott, Regisseur von "American Gangster", von vorneherein.

"Es wirkte so real, und alle waren so schockiert ... Ich war nicht so schockiert","

meint Ridley Scott im sehr Audiokommentar zu diesem Anfangsbild. Dieser Film hat nichts Romantisches.

"Glauben Sie wirklich, dass wenn Sie mich hinter Gitter bringen, sich wirklich etwas ändert auf den Straßen?"

Schon die DVD von Ridley Soctts Film "Königreich der Himmel" vor gut drei Jahren war vorbildlich ausgestattet; informativ und analytisch. Ebenso jetzt die Edition von "American Gangster". Das fast anderthalb Stunden lange Making-Of vermittelt die Komplexität von Dreharbeiten und der Gesamtentwicklung einer solchen Hollywood-Produktion.

"Im Jahr 2009 wütete ein tödliches Virus auf der Erde, das die Menschen an den Rand des Aussterbens brachte. Dr. Robert Neville widmete sein Leben der Suche nach dem Gegenmittel. Und der Rettung der Menschheit."

Was denn Will Smith in Francis Lawrence spannendem Actionfilm "I Am Legend" auch mit Hingabe tut. Die "I Am Legend"-DVD ist wie "American Gangster" ebenfalls außergewöhnlich gut gemacht; auf der zweiten, der Bonus-DVD finden sich beispielsweise Comic-Adaptionen nach Motiven der "I Am Legend"-Geschichte und in einem langen Making-Of wird ausführlich davon berichtet, welche logistischen Anstrengungen es bedurfte, die New Yorker Fith Avenue von Menschen frei zu räumen, um den letzten Menschen und seinen Hund zu filmen, den das Virus am Leben gelassen hat.

In diesem Making-Of sollte man allerdings über die etwas einfältigen Statements von Hauptdarsteller und Superstar Will Smith hinweghören. Wenn er beispielsweise meint:

"Ich hoffe, wir haben das Fundament beim Publikum gut ausgefüllt und spirituelle Fragen aufgeworfen, die am Ende hoffentlich zur Katharsis führen."

Solche dümmliches Gebrabbel einmal dahingestellt: Die "I Am Legend"-DVD - gemeint ist die 2er-Special-Edition - bietet eine alternative Schnittversion des Films mit einem übrigens sehr viel überzeugenderem Schluss. Bei solchen Editionen erweist sich die DVD einmal mehr als Medium, das die Vielfältigkeit des filmischen Erzählens eindrucksvoll vorführt.

Die großen DVD-Editionen von Jane Campions "Das Piano" oder Anthony Minghellas "Der Englische Patient" oder Andrej Tarkowskis "Opfer", die in diesem Jahr herauskamen, bieten umfangreiches Zusatz-Material, um die inzwischen zu Klassikern avancierten Filme tatsächlich noch einmal anders zu sehen.

In der "Volker Schlöndorff - Director's Edition" sind auf neun DVDs die alten Schlöndorff-Filme zu sehen; neu und vergnüglich sind da aber die langen Erzählungen von Schlöndorff im Bonus-Material, die ihn grinsend, nachdenklich, anekdotisch oder verschmitzt zeigen, überzeugen.

""Klar, will ich den von der Süddeutschen und die Jury von Cannes überzeugen","

sagt der hamburgisch-türkische Filmemacher Fatih Akin.

"Und irgendwelche Dramaturgen, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Aber ich will halt auch meine Mutter überzeugen."

Das mit den Juroren in Cannes, beim Europäischen und beim Deutschen Filmpreis hat geklappt. Preise gab es zuhauf für "Auf der anderen Seite", Fatih Akins Film von 2007. Die Audiokommentare zu den Fatih-Akin-Filmen waren immer schon ein Genuss; die DVD von "Auf der anderen Seite" - in diesem Jahr herausgekommen - macht da keine Ausnahme, weil sich bei Fatih Akin Kinobesessenheit mit Mutterwitz und Klugheit mischen. Und da die DVDs von Fatih Akins Filmen immer auch Neugier auf den "neuen Akin" hervorriefen, darf der Filmemacher das letzte Wort haben.

"Macht´s gut, haltet die Ohren offen und guckt weiter fleißig gute Filme."