Seit 10:05 Uhr Lesart

Freitag, 06.12.2019
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.06.2017

Die Doppel-Documenta"Es reicht einfach nicht mehr aus, an einem Ort zu sein"

Nora Sternfeld und Rudolf Schmitz im Gespräch mit Vladimir Balzer

Podcast abonnieren
Die documenta 14 findet parallel in Kassel und Athen statt. (dpa / Combo: Deutschlandradio)
Die documenta 14 findet parallel in Kassel und Athen statt. (dpa / Combo: Deutschlandradio)

Es gab viele kritische Stimmen, als die Pläne enthüllt wurden, die die diesjährige documenta auch in Athen stattfinden zu lassen und nicht mehr nur in Kassel. Eine Zäsur, eine neue Zeitrechnung, sei das aber nicht, meint die Kunstprofessorin Nora Sternfeld.

Eine documenta in zwei Städten - die documenta 14 wurde in Athen eröffnet. Ist das der Beginn einer neuen Zeitrechnung?

Nora Sternfeld ist Spezialistin für das Kuratieren und Vermitteln von Kunst, und sie wird ab dem 1. Januar 2018 Professorin für die Documenta sein, an einem eigens für die Kulturschau eingerichteten Lehrstuhl an der Kunsthochschule in Kassel.

"Transnationalität ist schon länger ein Thema der Documenta. Es reicht einfach nicht mehr aus, an einem Ort zu sein oder nur aus einer Perspektive zu schauen."

Das haben auch andere Documentas gezeigt, so habe es bei der Documenta 11 viele Plattformen überall auf der Welt gegeben.

Trotzdem - stolz seien könne Kassel noch immer auf die Schau, die Zeichen setze. Man müsse Kassel als Standort deshalb auch nicht infrage stellen:

"Documenta und Kassel hängen zusammen."

Kassel sei nicht provinziell, findet Sternfeld:

"Es ist heute eine Selbstverständlichkeit, dass lokale und transnationale Fragen in avancierten Kunstkontexten zusammenkommen". 

Vladimir Balzer im Gespräch mit Nora Sternfeld und Rudolf Schmitz (Deutschlandradio / Karsten Socher)Fazit-Moderator Vladimir Balzer im Gespräch mit Nora Sternfeld und Rudolf Schmitz (Deutschlandradio / Karsten Socher)

"Dezentralität ist schon länger ein Thema der Schau"

Der Kunstkritiker Rudolf Schmitz sieht das ähnlich:

"Wir haben inzwischen viele Wanderbiennalen, wo man sich fragen kann, was die für Wirkungen an den jeweiligen Orten haben. Und die Wirkung der documenta 14 in Athen empfand ich als einen symptomatischen und guten Ort für die documenta."

Einige Künstler hätten dort eine fast schon politischere Rolle als in Kassel gespielt, meint er - ein Spannungsgeflecht, das man einbeziehen sollte. Überhaupt habe die Documenta von Beginn an geholfen, den Blick auf die Kunst nach dem Krieg neu zu definieren. 

Eine Zäsur sei die documenta 14 deshalb nicht, schließt Nora Sternfeld an. Dezentralität sei schon länger ein Thema der Schau - nicht erst seit Athen in diesem Jahr.

Und: "Wenn wir diese Documenta ernst nehmen wollen, dann können wir jetzt noch nicht wissen, ob unser Blick sich verschiebt", ob es einen neuen Kunstbegriff brauche, sagt sie. 

Alle Beiträge zur großen Kunstschau finden Sie auf unserem Themenportal documenta 14

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsZu viel Handke, zu wenig Tokarczuk
Die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. (Getty Images / Thomas Lohnes)

Die Feuilletons arbeiten sich weiter ausführlich an Schriftsteller Peter Handke ab - mit Berichten, Analysen und Richtigstellungen. Dabei gab es mit Olga Tokarczuk eine weitere Literaturnobelpreisträgerin. Über sie liest man herzlich wenig.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur