Die beste der möglichen Notlösungen

Hartmut Mehdorn wird neuer BER-Chef © picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm
Von Günter Hellmich, Landesstudio Berlin · 08.03.2013
Wäre Hartmut Mehdorn der ideale Chef für die Berliner Flughafengesellschaft, dann hätte man sich Zeit, Mühe und Blamage sparen können. Doch eigentlich sprach bisher mehr dagegen, ihn überhaupt zu fragen und den ehemaligen Airbusmanager, Bahnvorstand und Air-Berlin-Chef ernsthaft auf das BER-Personalkarrussel zu setzen.
Eine Schnapsidee nennt man sowas in Berlin, normalerweise. Gewiss: Erfahrung im Luftfahrtgewerbe und die Kenntnis der vertrackten Berliner Flughafensituation wird ihm niemand absprechen. Genauso wenig wie eine gewisse Expertise im Umgang mit der Politik.

Aber waren seine Managementergebnisse bei der Bahn und auch bei Air Berlin am Ende wirklich so überzeugend, dass sie ihn zum Troubleshooter für den Hauptstadtflughafen prädestinieren?

Viele sehen, dass die Misere der Berliner S-Bahn und von Stuttgart 21 letztlich in Mehdorns Verantwortung liegen. Da ist es bis zum Spruch vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird, nicht mehr so furchtbar weit. Nimmt man die letzte Führungsaufgabe Mehdorns bei Air Berlin, so ist ziemlich klar, dass deren neuerdings schwarze Zahlen vor allem den Petrodollars von Etihad zu verdanken sind. Welchen Anteil Mehdorn daran hatte, dass der Geldstrom aus Abu Dhabi zur Rettung von Air Berlin so stetig fließt, ist eine andere Frage.

Gar keine Frage ist dagegen, dass die Konkurrenz von Air Berlin aufhorchen dürfte, wenn nun deren ehemaliger CEO nach zweimonatiger Pause in das Chefzimmer der Flughafengesellschaft wechselt. Schließlich ist Mehdorn ab Montag nicht nur oberster Boss auf der BER-Baustelle, sondern gleichzeitig Chef des überlasteten Flughafens in Tegel, wo die Airlines um jede Ressource kämpfen. Natürlich wird er jede Befangenheit zurückweisen - ob man ihm das abnimmt ist eine andere Frage.

Trotz all dieser Bedenken bietet die Berufung Mehdorns in der verfahrenen Personalsituation für den Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck eine doppelte Chance. So, wie Mehdorn gestrickt ist, wird er nun das öffentliche Interesse auf sich und weg vom Aufsichtsrat ziehen. Gleichzeitig bekommt das voreilig führungslos gemachte Projekt BER eine Spitze, die durchsetzungsfähig ist. Diese Qualität Mehdorns ist wohl unumstritten. Deshalb ist die heutige Personalentscheidung auch die beste aller jetzt nur noch möglichen Notlösungen.
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