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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 29.01.2015

Die Armut nach dem GoldrauschWie peruanische Goldschürfer die Umwelt zerstören

Von Julio Segador

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Goldgräber am Madre de Dios Fluss in Peru (Imago / Mint Images)
Goldgräber am Madre de Dios Fluss in Peru (Imago / Mint Images)

Der Regenwald Südamerikas erlebt seit Jahren einen neuen Goldrausch - mit fatalen Folgen für Mensch und Natur. Die Goldsucher kommen zu Tausenden, oft illegal und hinterlassen Zerstörung: gefällte Bäume, verschmutzte Flüsse.

Wenn Luis Miguel Tayori seine Heimat, die Region "Madre de Dios" im peruanischen Amazonas-Regenwald heute sieht, fällt ihm ein Vergleich ein:

Luis Miguel Tayori: "Die Gebiete, in denen nach Gold geschürft wird, gleichen dem Wilden Westen in den USA im 19.Jahrhundert. Nur dass sie statt Pferde jetzt Gelände-Motorräder haben, mit denen sie in den Regenwald fahren. Überall gibt es Kneipen, Menschenhandel und Prostitution. Das sind 35 Kilometer Verwüstung und alles in einem Naturschutzgebiet."

Es ist ein regelrechter Goldrausch, der viele Peruaner erfasst hat, und Luis Miguel Tayori und seine Stammesmitglieder von der indigenen Gemeinschaft Puertoluz müssen tatenlos mitansehen, wie ihre Heimat zerstört wird. Die Urwaldflüsse in der Region führen aus den Anden den begehrten Goldstaub mit. Im Tiefland vermischt er sich mit Sand und wird dort abgeladen. Ein lukratives Geschäft für die Goldschürfer, die sich auch von Hitze, Moskitos und wilden Tieren nicht abschrecken lassen.

Doch der Goldrausch hinterlässt in der Landschaft und bei den Menschen drastische Spuren. Und die Goldschürfer haben einen gefährlichen Helfer im Gepäck. Das Quecksilber, mit dem der Goldstaub aus dem Sand herausgefiltert werden kann. Luis Fernandez vom Carnegie-Institut der Stanford-Universität in den USA hat im Rahmen eines Forschungsprojektes die Quecksilberkonzentration in Flora und Fauna in der Region "Madre de Dios" gemessen, und ist auf alarmierende Ergebnisse gestoßen.

Luis Fernandez: "Die Bewohner in der Region ernähren sich hauptsächlich von Fisch. Und wir haben herausgefunden, dass sie im Durchschnitt Quecksilberwerte im Blut haben die das Dreifache dessen übersteigen, was die Weltgesundheitsorganisation noch toleriert. Am stärksten sind die indigenen Gemeinschaften betroffen. Wir hatten Einzelfälle, bei denen die Werte das 35-fache überstiegen, was der Gesundheit zumutbar ist."

Verbote und Gesetze den sind bisher fehlgeschlagen

Die Goldindustrie ist für Peru ein wichtiger und lukrativer Wirtschaftsfaktor. Das Land ist der fünftgrößte Goldexporteur der Welt und in den vergangenen 15 Jahren ist der Goldpreis enorm gestiegen. Doch die Landschaft im Regenwald wird unwiederbringlich zerstört, die Menschen werden krank. In Peru hat inzwischen eine große Diskussion eingesetzt, ob es hilft, die Goldschürfer – es dürften um die 30.000 sein - zu legalisieren, um so die negativen Begleiterscheinungen einigermaßen in den Griff zu bekommen. Luis Miguel Tayori hält davon nichts.

Luis Miguel Tayori: "Für mich macht das keinen Unterschied ob die Goldschürfer dort legal oder illegal arbeiten. Die Flüsse werden genauso kontaminiert, die Landschaft wird genauso verwüstet. Übrig bleiben Sandhügel und Steine. Da wächst kein Baum mehr. Das ist alles nur noch eine große Wüste, wo wir nichts mehr anbauen können."

Die Versuche der Regierung durch Verbote und Gesetze den Goldrausch im peruanischen Amazonas-Regenwald in geordnete Bahnen zu lenken sind bisher fehlgeschlagen. Der Strom der Glücksritter, die in die Region "Madre de Dios" kommen, hält unvermindert an. Der Appell von Umweltminister Manuel Pulgar Vidal verhallt ungehört.

Pulgar Vidal: "Sich aus der Armut zu befreien bedeutet nicht, dass das auf Kosten anderer Dinge gehen darf. Viele derer, die den illegalen Goldabbau verteidigen, müssen wissen, dass sie in Kürze ärmer sein werden als sie es jemals waren. Diese Verwüstung macht die Menschen arm."

 

Mehr zum Thema:

Tschechien - Widerstand gegen Goldrausch an der Moldau
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 11.02.2014)

Nach dem Goldrausch
(Deutschlandfunk, Eine Welt, 13.07.2013)

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