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Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.04.2020

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin mit Robin TicciatiBruckners Dialog mit der Unendlichkeit

Moderation: Volker Michael

Der Chefdirigent des DSO Berlin, Robin Ticciati, am 17.2.2019 in der Philharmonie Berlin bei der Eröffnung des Festivals "Brahms-Perspektiven" (Peter Adamik/DSO Berlin)
Der Chefdirigent des DSO Berlin, Robin Ticciati, am 17.2.2019 in der Philharmonie Berlin bei der Eröffnung des Festivals "Brahms-Perspektiven" (Peter Adamik/DSO Berlin)

Anton Bruckners 8. Sinfonie ist ein abendfüllendes Werk - und eine Sinfonie der Transzendenz. Chefdirigent Robin Ticciati hat sie Ende des Jahres 2019 beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin aufgeführt. Zum Anfang gab es Musik von Elliott Carter.

In Abänderung des ursprünglich geplanten Programms bieten wir Ihnen an dieser Stelle das Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin vom Ende des Jahres 2019 unter Leitung seines Chefdirigenten Robin Ticciati. Das vorgesehene Konzert unter Leitung von Leonidas Kavakos musste wie alle Veranstaltungen derzeit ersatzlos ausfallen.

Eine Sinfonie als Mysterium

Stattdessen ein künstlerischer Dialog mit der Unendlichkeit - es ist seine größte und seine mystische Sinfonie, die achte Sinfonie in c-Moll von Anton Bruckner. Entstanden in glücklicher Zeit, der Komponist wähnte sich anerkannt in der Musikwelt. Und dann kam wieder der gleiche Frust: Der Wagner-Dirigent Hermann Levi, der eigentlich viel von Bruckners Musik hielt, wies die achte Sinfonie ab. Er verstehe sie einfach nicht. Wie so oft zuvor stürzte diese Zurückweisung den Komponisten in tiefe Zweifel, und er komponierte das Werk komplett um.

Komponist Anton Bruckner  (picture alliance / dpa )Undatiertes Foto des österreichischen Komponisten Anton Bruckner. (picture alliance / dpa )

Heute wissen wir, dass es ein Meisterwerk ist und ein "Mysterium", was für Robin Ticciati und sein Deutsches Symphonie-Orchester Berlin nicht bedeutet, dass sie die achte Sinfonie in ersterbender Ehrfurchtshaltung spielten würden. Frisch und geradezu triumphal optimistisch klang das Werk am 15. Dezember in der Berliner Philharmonie.

Betrachtungen einer Seifenblase

Den Anfang sollte - so dachte es sich der Chefdirigent - ein moderner Kommentar von derselben existentiellen Tiefe machen wie Bruckners Achte Sinfonie: Fündig geworden war er beim US-amerikanischen Avantgardisten Elliott Carter und seiner "Symphonia: Sum fluxae premium spei".

Was kann man von einem Werk erwarten, das "ich bin der Preis der fließenden Hoffnung" betitelt ist? Philosophische Verrenkungen oder einen Ausflug in die Welt der Halluzinationen? Klar strukturiert und geradezu traditionell 12-tönig ist diese Musik eines jungen 84-Jährigen.

Kreativ bis ins hohe Alter

Elliot Carter wurde 103 Jahre alt und erlebte einen beispiellosen Schub an Kreativität in seinen vielen letzten Lebensjahrzehnten. Etwas von verschmitzter Weltkenntnis und Ironie findet sich auch in diesem langsamen Mittelsatz seiner Sinfonie über das Denken einer Seifenblase.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin im Corona-Shutdown - ein Gespräch mit Orchestervorstand Matthias Kühnle und Orchesterdirektor Alexander Steinbeis von Volker Michael - das können Sie hier nachhören:

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 15. Dezember 2019

Elliott Carter
Adagio tenebroso aus der "Symphonia: Sum fluxae premium spei"

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 8 c-Moll WAB 108

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Robin Ticciati

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