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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 14.06.2021

Deutscher Sachbuchpreis"Hegels Welt" gewinnt

Jürgen Kaube im Porträt (F.A.Z. / Frank Röth)
Ausgezeichnet: Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Buchautor. (F.A.Z. / Frank Röth)

Geistesgeschichte als Kulturgeschichte: Der Deutsche Sachbuchpreis geht an Jürgen Kaube für "Hegels Welt". Dabei greife er nur am Rande aktuelle Diskurse auf, findet die Philosophin und Autorin Catherine Newmark. Das Buch sei jedoch "wunderschön".

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat erstmals den Deutschen Sachbuchpreis vergeben – er geht an Jürgen Kaube für sein Buch "Hegels Welt".

"Mit dem Genre der Heldenerzählung räumt Jürgen Kaube in seiner Biografie über Georg Wilhelm Friedrich Hegel gründlich auf", heißt es in der Begründung der Jury.

Holzschnitt-Porträt des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Schwarz-Weiß (imago / imagebroker)Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770- 1831): Im Zentrum seines Denkens stand, dass der Mensch frei ist. (imago / imagebroker)

Und weiter: "Er schildert den Philosophen so elegant wie ironisch als Mann, der die Widersprüche der Umbruchzeit um 1800 wahrnimmt, durchdenkt und doch auch immer wieder ihr revolutionäres Potenzial verkennt, etwa wenn es um die Freiheitsansprüche der Frauen geht. Geistesgeschichte ist bei Kaube Kulturgeschichte."

Überraschende Entscheidung

"Mehrere andere hätte ich mir eher vorstellen können", sagt Newmark, "Und dann tritt eben Herr Kaube auf die Bühne und bringt genau dieses Erstaunen". Der Publizist habe ebenfalls nicht mit der Auszeichnung gerechnet.

Das liege daran, dass vor allem die Jury im Vorfeld der Zeremonie sehr viel über die Aktualität der Debatten und der Diskurse gesprochen habe. Zwar sei das Buch von Kaube "ein wirklich wunderschönes Buch", das Hegel in den Kontext der Zeit einordnet und einen "wirklichen Lesegenuss" darstelle, aber es gehöre eben nur im weitesteten Sinne zu den aktuellen Debatten, meint Newmark.

Daneben seien unter anderem noch Heike Behrend, Asal Dardan oder Mai Thi Nguyen-Kim nominiert gewesen, die wesentlich aktuellere Diskurse in ihren Büchern aufgegriffen hätten wie Migration, Patriarchat oder Wissenschaftsvermittlung.

Auszeichnung das erste Mal verliehen

Bekanntgabe und Preisverleihung fanden im Berliner Humboldt Forum statt. Die Veranstaltung wurde live im Radio übertragen und ins Internet gestreamt.

Vor einer weißen Wand mit einer türkisen Farbe stehen die 8 nominierten Bücher aufgereiht — man sieht nur die Buchrücken. (vntr / Sascha Venturi)Acht großartige Bücher, nominiert für den Deutschen Sachbuchpreises 2021. (vntr / Sascha Venturi)

Die neue Auszeichnung will Sachliteratur als Impulsgeber für die gesellschaftliche Auseinandersetzung würdigen. Um den mit insgesamt 42.500 Euro dotierten Preis waren acht Sachbücher ins Rennen gegangen.

Heike Behrend: "Menschwerdung eines Affen"
Asal Dardan: "Betrachtungen einer Barbarin"
Jürgen Kaube: "Hegels Welt"
Andreas Kossert: "Flucht. Eine Menschheitsgeschichte"
Daniel Leese: "Maos langer Schatten. Chinas Umgang mit der Vergangenheit"
Michael Maar: "Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur"
Christoph Möllers: "Freiheitsgrade"
Mai Thi Nguyen-Kim: "Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Wahr, falsch, plausibel? Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft"

Über die Auswahl der Nominierten und die Kriterien der Preisvergabe sagte die Juryvorsitzende Kia Vahland, es sei darum gegangen, eine Vielfalt an wichtigen Themen und Ansätzen und eine Vielfalt von Autorinnen und Autoren sichtbar zu machen (AUDIO).

"Wir wollen Debatten führen, in denen man sich wirklich miteinander auseinandersetzt, einander zuhört und Argumente abwägt. Das ist in Zeiten, wo Desinformation und Diffamierung die Runde machen, nicht mehr selbstverständlich", so Vahland. Alle ausgewählten und nominierten Bücher setzten sich produktiv mit dem jeweiligen Thema auseinander.

Deutschlandfunk Kultur ist Medienpartner des Deutschen Sachbuchpreises. Mit Jürgen Kaube sprechen wir am 15.6.2021 in "Studio 9" (AUDIO) über die Arbeit am prämierten Text.

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