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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.08.2016

Deutscher PEN zur Lage türkischer Autoren Verfolgte brauchen ökonomische Sicherheit

Regula Venske im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Can Dündar, Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", bahnt sich am 1. April den Weg durch Fotografen vor einem Istanbuler Gerichtsgebäude. (afp / Ozan Kose)
Der türkische Journalist Can Dündar ist zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er befindet sich im Exil im Ausland. (afp / Ozan Kose)

"Wir müssen den Kontakt mit der anderen Türkei halten", fordert Regula Venske, Autorin und Generalsekretärin des deutschen PEN. Politisch Verfolgte wie Can Dündar bräuchten nicht nur Asyl, sondern auch juristische sowie finanzielle Unterstützung.

Die unabhängige Presse hatte es schon lange vor dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli schwer in der Türkei. Doch nun sind Strukturen nachhaltig zerschlagen worden: 132 Medienunternehmen wurden geschlossen, darunter drei Nachrichtenagenturen, 23 Radiosender, 16 Fernsehsender, 45 Zeitungen, 15 Magazine und 29 Verlage, deren Vermögen der Staat einzieht.

Ist es derzeit überhaupt möglich, Kontakt zu den vielen unter staatlicher Beobachtung stehenden türkischen Schriftstellern und Journalisten zu halten? Die Situation sei problematisch, manche seien derzeit auch gar nicht zu erreichen, sagte Regula Venske, Autorin und Generalsekretärin des deutschen PEN, im Deutschlandradio Kultur. In der derzeitigen Situation plädierte sie dafür, die türkischen Oppositionellen jetzt nicht zu vergessen:

"Ganz wichtig ist vor allen Dingen auch erst einmal, dass wir den Kontakt mit der anderen Türkei halten. Und dass wir nicht den Fehler begehen, die Türkei mit Erdogan gleichzusetzen. Das ist auch das, was die demokratischen Menschenrechtskämpfer in der Türkei uns immer wieder in Erinnerung rufen: 'Vergesst uns nicht!'. Etwa fünfzig Prozent sind ja nicht für Erdogan."

Venskes Treffen mit Can Dündar

Venske hatte am Montag den zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilten, türkischen Journalisten Can Dündar an einem geheimen Ort in seinem Exil im Ausland getroffen. Er wurde Ende Juli zusammen mit Erdem Gül mit dem Hermann-Kesten-Preis des PEN ausgezeichnet werden.

Die Generalsekretärin der Autorenvereinigung PEN, Regula Venske (picture alliance / dpa)Die Generalsekretärin der Autorenvereinigung PEN, Regula Venske (picture alliance / dpa)
Dündar wisse derzeit noch nicht, ob er politisches Asyl beantragen wolle, berichtete Venske von diesem Gespräch:

"Er ist sehr hin- und hergerissen im Moment, was man ja auch gut verstehen kann. Die Türkei ist seine Heimat. Und er möchte schon gern zurück. Und es ist auch nicht leicht, jetzt in seinem Alter über Asyl und Exil nachzudenken. Das ist eine sehr, sehr schwere Entscheidung, vor der er im Moment steht."

Plädoyer für Hilfen aus Notfallfonds politischer Stiftungen

Venske sprach sich für schnelle Hilfen für politisch Verfolgte aus den Notfallfonds politischer Stiftungen oder von Regierungen aus:

"Man muss den Verfolgten, denen man Asyl gewähren möchte, natürlich auch die Möglichkeiten geben. Man weiß ja, wie das damals den deutschen Intellektuellen gegangen ist, als sie aus Hitler-Deutschland gehen mussten. Und wie schwierig das zum Teil war, Visa zu bekommen und auch ökonomische Sicherheit zu finden. Da war ja Hermann Kesten, in dessen Namen wir den Preis vergeben, ein großes Vorbild."

Dündar habe sich dafür ausgesprochen, den türkischen Kollegen möglichst viele Veröffentlichungsmöglichkeiten zu geben, sagte Venske:

"Dann hat er gesagt: 'Wir brauchen juristische Unterstützung, anwaltlichen Beistand.' Dann hat er gesagt: 'Reist in die Türkei. Besucht die Kollegen im Gefängnis. Es ist unbeschreiblich, wie einsam man sich im Gefängnis fühlt.'"

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