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Studio 9 | Beitrag vom 18.11.2019

Deutscher Lehrerpreis 2019Jeder kann ein guter Lehrer sein

Von Wolf-Sören Treusch / Dirk Richter im Gespräch mit Julius Stucke

Eine Lehrerin der Oberschule an der Ronzelenstraße in Bremen steht in einem Klassenraum an einer Tafel und schreibt. (Mohssen Assanimoghaddam / dpa)
Konjugieren, deklinieren: Eine gute Deutschlehrerin muss das erklären können. Aber es geht um mehr als fachliche Kompetenz. (Mohssen Assanimoghaddam / dpa)

Beim Deutschen Lehrerpreis wurden heute herausragende Pädagoginnen und Pädagogen geehrt. Was zeichnet sie aus? Der Bildungsforscher Dirk Richter sagt: Gut lehren ist vor allem eine Frage der Ausbildung. Aber nicht nur.

16 Lehrerinnen und Lehrer wurden heute mit dem "Deutschen Lehrerpreis 2019" für ihr herausragendes pädagogisches Engagement ausgezeichnet, außerdem sechs Lehrkräfte-Teams für ihre innovativen Unterrichtsprojekte. Der "Deutsche Lehrerpreis" wird vergeben von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband, die Auszeichnungen basieren auf den Einreichungen von etwa 5.400 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern. Die meisten, insgesamt sechs Preise gingen nach Nordrhein-Westfalen. Lehrkräfte aus zehn Bundesländern wurden ausgezeichnet.

Was macht einen guten Lehrer oder eine gute Lehrerin aus? Eine Preisträgerin, die Lehrerin Alexandra Moser vom Gymnasium Engen in Baden-Württemberg, nannte als Erfolgsrezept die "Mischung aus Motivation, Strenge, Fordern, Fördern und Engagement". Der ebenfalls ausgezeichnete Lehrer Reinhold Lück vom Gymnasium Remigianum in Borken sprach über die Bedeutung von Respekt und Vertrauen den Schülerinnen und Schülern gegenüber. Vielen Usern, die sich an einer Umfrage auf den Instagram- und Facebook-Kanälen von Deutschlandfunk Kultur beteiligt haben, sind soziale Kompetenzen und insbesondere Empathie wichtig.

Kernkompetenzen eines Lehrers  

Was sagt die Wissenschaft dazu, was einen guten Lehrer, eine kompetente Lehrerin auszeichnet? Dirk Richter, Professor für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung an der Universität Potsdam, spricht von mehreren Schlüsselkompetenzen: "Ein guter Lehrer muss vor allen Dingen gut erklären können, er muss sich in seinem Fach gut auskennen, er muss pädagogische und psychologische Kenntnisse, aber auch Spaß am Unterricht haben, und sich aktiv in die Schule einbringen. Und zu guter Letzt gehört natürlich auch Respekt und Wertschätzung gegenüber den Schülerinnen und Schülern dazu."

Es sei schwer zu sagen, welche Kompetenzen hier die wichtigsten seien, so Dirk Richter. In der Vergangenheit hätten die sozio-emotionalen Fähigkeiten, die heute in der Lehrerausbildung immer wichtiger würden, aber vielleicht nicht den Stellenwert gehabt wie die fachlichen. Für den Bildungsforscher, der überzeugt ist, das im Prinzip jeder ein guter Lehrer sein könne, ist die Ausbildung der Lehramtsstudierenden zentral. Diese sei durch Reformen bereits verbessert worden. So sehe die Ausbildung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer inzwischen mehr Praktika vor. Es gebe eine stärkere Verzahnung von universitärer und schulischer Ausbildung der Lehramtsstudierenden.

Guter Unterricht braucht Zeit

Dirk Richter sagt aber auch: "Unsere Schulen könnten deutlich besser sein als sie aktuell sind." Denn guter Unterricht brauche auch gute Rahmenbedingungen. Lehrkräfte benötigten vor allem mehr Zeit, etwa für den Austausch mit Kollegen, für Fortbildungen, für Reflexion über den eigenen Unterricht.

Es mangele aber nicht am Geld, sondern vor allem an ausreichend ausgebildeten Lehrkräften, betont Dirk Richter. Der Mangel werde zwar durch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ausgeglichen. Doch gerade diese Gruppe bräuchte besondere Unterstützung, weil ihnen die didaktischen Kenntnisse fehlten.

(jfr)

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