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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.01.2018

Deutscher Kabarettpreis-Träger Mathias Tretter"Ich schaue lächelnden Auges in die Katastrophe“

Mathias Tretter im Gespräch mit Moderator Vladimir Balzer

Der Kabarettist Mathias Tretter (imago / Sämmer)
Der Kabarettist Mathias Tretter (imago / Sämmer)

Der Künstler Mathias Tretter ist mit dem Deutschen Kabarettpreis 2017 ausgezeichnet worden. Im Interview mit Deutschlandfunk Kultur erklärt der Kabarettist, warum ihn die Tagespolitik nicht interessiert und welche Gefahren er durch die Sozialen Medien auf uns zukommen sieht.

Der Deutsche Kabarettpreis sei ein Zertifikat dafür, dass er tatsächlich Kabarettist sei, meint Mathias Tretter. Denn "Kabarettist" sei ein ungeschützter Beruf. Das Publikum in Deutschland würde gutes, anspruchsvolles Kabarett immer mit "politisch" in Verbindung bringen. "Dem möchte ich zutiefst widersprechen", sagt Tretter. Auf der Bühne politisch zu sein, sei eine inhaltliche Zuschreibung. "Das kann formal grottenschlecht sein." Er selbst habe sich keine Gedanken darüber gemacht, ob er selbst ein politischer Kabarettist sei.

Neoliberalismus und die Sozialen Medien

Die aktuelle Tagespolitik werde jedenfalls immer absurder und reize ihn deshalb auch immer weniger. Politische Themen finde dagegen er im Alltag. In den letzten 20 Jahren habe Tretter etwa beobachtet, wie rapide sich die Gesellschaft durch die Sozialen Medien verändert habe. "Was wir an Tagespolitik wahrnehmen, ist ja nur eine winzige Oberfläche, ein Firnes über einem riesigen anderen Trend, der sehr tief natürlich in dem Neoliberalismus gründet", sagt Tretter. Ein politische Diskurs sei nicht mehr vorhanden. "Das Extrembeispiel ist natürlich der US-Präsident, der mit 140 Zeichen permanent zitiert wird."

Die Veränderung der Gesellschaft und des Alltagslebens durch die Sozialen Medien seien gravierend: "Wenn man vor 25 Jahren nur das Innere einer U-Bahn oder eines Busses von heute den Leuten gezeigt hätte, hätten sie das nicht begriffen bzw. nur mit dem Kopf geschüttelt: Dass mehr als die Hälfte permanent in so ein Display starrt und vollkommen sinnlose Aktionen hat die ganze Zeit und damit wunderbar ruhig gestellt ist", erklärt Tretter. Zurückschrauben könne man diese gesellschaftlichen Veränderungen nicht. "Ich bin ja weit davon entfernt, jetzt nostalgisch heulend zurückzugucken, sondern: Ich schau sehenden Auges und lächelnden Auges in die Katastrophe."

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