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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 24.03.2017

Deutscher Arbeitsmarkt 2017Abstiegsangst trotz Rekordbeschäftigung?

Moderation: Axel Rahmlow

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Udo, ein Obdachloser, sitzt in Berlin an der Spree im Regierungsviertel und bittet um Unterstützung. (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)
Ein Obdachloser sitzt in Berlin an der Spree im Regierungsviertel und bittet um Unterstützung. (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)

Radikale Veränderungen stehen Frankreich bevor. Das haben alle aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten in Frankreich angekündigt: Abschaffung der 35-Stunden-Woche, EU-Austritt, riesiges Investitionsprogramm, demokratische Erneuerung. Wer gewinnt nun?

Die offizielle Arbeitslosenquote in Deutschland sinkt immer weiter auf inzwischen 6,3 Prozent, dazu eine Rekordbeschäftigung von 43,4 Millionen. Woher kommen trotzdem die Abstiegsängste einiger? Warum punktet SPD-Spitzenkandidat Schulz mit Forderungen für Reformen am Arbeitsmarkt?

2005 traten die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder in Kraft. Damals lag die offizielle Arbeitslosenzahl bei rund fünf Millionen - rund 12 Prozent - so hoch wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland.

Im Februar 2017 liegt sie bei 2,8 Millionen - 6,3 Prozent. Im EU-weiten Vergleich hat nur Tschechien eine niedrigere Arbeitslosenquote.

Dazu gibt es einen Beschäftigungsrekord in Deutschland: 43,4 Millionen Menschen waren im Schnitt 2016 erwerbstätig.

Trotzdem gibt es Abstiegsängste und Wünsche nach erneuten Arbeitsmarktreformen. Das greift auch im anlaufenden Bundestagswahlkampf der SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz auf und fordert befristete Verträge und Dauerleiharbeit zu verringern.

Auf der Bühne des Deutschlandradios auf der Leipziger Buchmesse 2017 sitzen vier Gäste und der Moderator (Andre Zantow)Auf der Leipziger Buchmesse diskutieren Klaus Dörre, Joachim Otto, Andrea Vetter und Daniela Kolbe (von rechts); Moderator ist Axel Rahmlow. (Andre Zantow)

Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt


Was hat sich seit 2005 verändert? Damals erhielten rund 1,8 Millionen Menschen Arbeitslosengeld 1. Heute sind es etwa 0,9 Millionen Menschen. Sie tauchen alle in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auf. Vor zwölf Jahren erhielten 6,7 Millionen Menschen Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) bzw. Sozialgeld. Heute sind es rund 6 Millionen. Davon sind 4,3 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte und 1,7 Millionen nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (vor allem Kinder unter 15 Jahren).

Von diesen 4,3 Millionen erwerbsfähigen ALG-2-Empfängern sind nur etwa 1,7 Millionen in der offiziellen Arbeitslosenstatistik enthalten. Der Rest ist in Weiterbildungsmaßnahmen, krankgeschrieben oder gehört zu den sogenannten "Aufstockern", die oft in Teilzeit arbeiten. Es gibt aber auch etwa 180.000 Vollzeitbeschäftigte, die mit ALG 2 "aufstocken", weil ihr Lohn nicht ausreicht. Die Zahl der Menschen im sogenannten "Niedriglohnsektor" steigt nach verschiedenen Studien. Hier könnte eine Ursache für Abstiegsängste einiger liegen.

Neu über Verteilung von Arbeit nachdenken?


Welche erneuten Reformen am Arbeitsmarkt sind sinnvoll? Sollte der Niedriglohnsektor wieder verkleinert werden? Wie reagieren Wirtschaftsverbände und Unternehmer? Und müssen wir nicht generell über Verteilung von Arbeit und unserer Idee der Wachstumsgesellschaft neu nachdenken? Arbeit im Jahr 2017 – wo stehen wir und was ist zu tun?

Über diese und andere Fragen diskutieren im Wortwechsel von der Leipziger Buchmesse:

Klaus Dörre, Sozialwissenschaftler von der Uni Jena
Daniela Kolbe (SPD), Bundestagsmitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales
Andrea Vetter, Leipziger Verein "Konzeptwerk Neue Ökonomie"
Joachim Otto, Unternehmer und Vizepräsident des VSW - Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft

Moderation: Axel Rahmlow

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