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Studio 9 | Beitrag vom 17.12.2014

Deutsche WelleAuslandssender in Nöten

Von Christiane Habermalz

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, fotografiert am 18.11.2014 in Bonn (Nordrhein-Westfalen). (picture alliance/dpa/Oliver Berg)
In der Kritik: Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg. (picture alliance/dpa/Oliver Berg)

Das Geld wird immer knapper, die Deutsche Welle muss sparen und sich neu ausrichten. So klar wie das ist, so leidenschaftlich wird über die Richtung gestritten. Besonders der Abbau der deutschsprachigen Programme ruft Kritik hervor.

Deutsche-Welle Intendant Peter Limbourg plant derzeit einen radikalen Umbau des Auslandssenders. Um weltweit mehr Menschen zu erreichen, will er das englischsprachige Programm ausbauen. Ende 2015 soll ein englischsprachiger TV-Nachrichtenkanal starten, der den großen Nachrichtenformaten von CNN oder BBC Konkurrenz machen soll.

"Unsere Zukunft liegt in den Fremdsprachen. Wir müssen sehen, jetzt schon erreichen wir von den über 100 Millionen Nutzern wöchentlich wir über 90 Prozent in den Fremdsprachen. Es geht nicht darum, nur alles aufs Englische zu setzen, aber eben Englisch ist sehr wichtig, damit erreichen wir schon die meisten Menschen jetzt und haben das größte Potential, Zuschauer und Nutzer zu gewinnen", 

... erklärte Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg im Deutschlandfunk. Der Bundestag hatte die Neuausrichtung unterstützt und dafür das Budget für 2014 und 2015 bereits leicht aufgestockt. Doch der Etat des steuerfinanzierten Senders ist seit Jahren nicht erhöht worden, langfristig droht eine Unterfinanzierung. Limbourg hat daher angekündigt, für seinen News-Kanal TV-Programme in deutscher, spanischer und arabischer Sprache zu schließen, sollte die Politik nicht mehr Mittel bereit stellen. Das aber ziele auf das Grundverständnis und den Kernauftrag der Deutschen Welle, empörten sich die Mitarbeiter, deren Offener Brief mittlerweile von 180 Kulturschaffenden unterschrieben wurde.

"Gegen eine BBC hat die Deutsche Welle keine Chance"

"Wir sollen ein englisches Programm aufbauen und sollen dafür Sendungen einstellen und Programme kaputt machen, mit denen wir seit Jahren gepunktet haben und die qualitativ auf sehr hohem Niveau sind. Also wir fragen uns ernsthaft, was haben wir eigentlich in Zukunft in der Hand, ist es etwas, womit wir international punkten können, oder haben wir uns irgendwann selber überlebt?"

Personalratsvorsitzender Klaus Enderle zweifelt an den ehrgeizigen Plänen.

"Man würde mehr Menschen erreichen, aber die Sender, die ich grad angesprochen habe, haben ungleich höhere Finanzmittel und wir machen uns nichts vor, gegen eine BBC oder ein Al-Djazeera hat die Deutsche Welle mit ihrem kleinen Etat keine Chance."

Politiker wollen sich für eine Anhebung des Etats einsetzen

Kritik gab es vor allem am geplanten Abbau der deutschsprachigen Programme. Eine Deutsche Welle ohne die deutsche Sprache wäre so undenkbar wie die BBC ohne Englisch, kritisierte der Deutsche Kulturrat. Martin Dörmann, medienpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag und Mitglied im Verwaltungsrat der Deutschen Welle, sieht den Auftrag des Senders durch die Neuausrichtung eher gestärkt:

"Die deutsche Welle soll die Positionen und Werte Deutschlands in der Welt verbreiten. Sie hat auch den eigenen Anspruch, für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einzutreten, gerade auch in unfreien Gesellschaften sozusagen die Stimme der Freiheit zu sein. Und eine Planung, die darauf abzielt, die Relevanz der Welle und die Nutzer dort zu stärken, ist ja erstmal positiv."

In der Politik gibt es durchaus Verständnis für die Finanznöte des Auslandssenders. Medienpolitiker der Union und der SPD haben angekündigt, sich für eine Etatanhebung einsetzen zu wollen. Morgen wird der Bundestag sich mit beiden Fragen befassen – dem Etat und der Frage, wie die Deutsche Welle in Zukunft aussehen soll.

 

Mehr zum Thema:

Deutsche Welle - "Deutsch ist die Hauptarbeitssprache"
(Deutschlandfunk, Interview, 16.12.2014)

Ein Stück deutsche Mediengeschichte
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 04.05.2013)

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